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profil-Morgenpost
11/12/2021

Aus dem Giftschrank der Humorbranche

Um David Chappelle ist eine neue Woke-Debatte entbrannt: Wer verhandelt, was wir sagen dürfen?

von Lena Leibetseder

Das Unwort der letzten Jahre ist zurück: Lockdown. Niemand wollte es, jetzt ist es wieder da: In Oberösterreich startet am Montag ein Lockdown für Ungeimpfte. Dazu lesen Sie hier eine aktuelle Meldung von Clemens Neuhold.

Auch die Humor-Branche hat es diesen Herbst nicht einfach: Das Comedy-Special „The Closer“ von David Chappelle veranlasste Netflix-Chef Ted Sarandos jüngst zu folgendem Statement: „Wir arbeiten hart daran, kreative Freiheit zu unterstützen, auch, wenn das heißt, dass auf Netflix Inhalte sein werden, die manche als verletzend ansehen werden.“ Der Grund: An Chappelle’s kontrovers diskutierten Witzen über Transgender-Personen stießen sich viele, allen voran die LBGTQI+-Community. Daraufhin entbrannte eine altbekannte, bereits warmgelaufene Debatte: Was darf, soll, muss man noch sagen?

Chappelle gegenüber stehen Institutionen wie der in Wien ansässige PCCC* (Politically Correct Comedy Club), der Humor als „politisches Werkzeug zur Veränderung“ verstanden wissen will. „Lustige Akzente, Klischees über Minderheiten lassen wir lieber im Giftschrank der Humorbranche“, heißt es auf deren Online-Dependance. Der Club findet regelmäßig im meist ausverkauften Wiener WUK statt und tourt durch die Bundesländer; das Line-up wechselt und soll die Diversität der Szene widerspiegeln.

Ist das schon ein Kulturkampf zwischen einer Boomer- und einer Millenial-Generation, zwischen woke und nicht-woke in der Comedy-Szene? Um diese Frage zu beantworten, haben meine Kollegin Angelika Hager und ich entlang der Bruchstellen zwischen den Generationen Interviews geführt – unter anderem mit Christoph Grissemann („Es ist doch völlig klar, dass ich, wenn ich einen Schwulenwitz mache, nicht homophob bin), Christian Dolezal („Sexismus, Rassismus, das geht heute nicht mehr – ich bin lernfähig, auch was meinen Respekt betrifft“) oder der auf TikTok prominenten Satirikerin Toxische Pommes, die sagt: „Ich verstehe nicht, was an politisch unkorrektem Humor lustig sein soll.”

Ein mögliches Fazit, hier gezogen von Oliver Polak im profil-Interview: „Das Problem ist, dass solche Themen in Zeiten von Wokeness immer in Blasen verhandelt werden, was wiederum zu einer Separierung führt. Keiner will doch wirklich, dass man auch tatsächlich aufeinander zugeht.“ Die ganze Geschichte lesen Sie im E-Paper, die darin enthaltenen Interviews mit der Kabarettistin Malarina und der TikTokerin Toxische Pommes haben wir online für Sie veröffentlicht - hier und hier.

Ein schönes Wochenende wünscht

Lena Leibetseder

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