Hotelier Wolfgang Gröller sitzt an einem Wirtshaustisch, vor sich ein Kupferkessel und ein Teller mit Kartoffelpüree
Bild anzeigen
Das „Bootshaus“ am Traunsee ist eines der besten Lokale Oberösterreichs. Den Koch kennt jeder, den Besitzer niemand. Dabei ist Wolfgang Gröller ein ziemlich spannender Unternehmer, der aus seinen Lokalen eine Art Himmel für Influencer gemacht hat.

Drucken

Schriftgröße

Der Mensch, mit dem ich in Kürze essen werde, wartet in der Lobby des „Hotel Post“ in Traunkirchen auf mich, und wenn ich ehrlich bin, dann wirkt er ein bisschen deplatziert. Rund um ihn hängt halb Hipster-Wien, der Ö3-Musiker Julian LePlay zum Beispiel, er trägt ein modisches weißes Frotteehandtuch-Jäckchen, die Food-Influencerin Lisa Pestschansky, auch Szene-Köchin Parvin Razavi habe ich schon gesehen und den wirklich sehr auffallend gekleideten Ressortleiter der „Standard“-Lifestyle-Beilage. Mein Termin hingegen steckt in einem alten Cordsakko, er hat graue Haare und ausufernde Geheimratsecken, ganz offenbar sind seit seinem 50. Geburtstag schon ein paar Jahre vergangen. Bitte das nicht falsch verstehen, gegen ein bisschen Altersweißheit kann niemand etwas sagen, schon gar nicht ich, aber in dieser Umgebung wirkt man damit fremd. Und das ist insofern komisch, weil meinem Termin der Laden nämlich gehört.

Hotel Post in Traunkirchen
Bild anzeigen

Wolfgang Gröller ist der Besitzer der „Post“. Schon sein Vater und sein Großvater waren hier Hoteliers, Letzterer hatte nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen, dass er lieber nicht mehr nach St. Valentin in Niederösterreich zurückkehren möchte, und hat dieses Haus gekauft. Jeder, der Traunkirchen kennt und auch schon mal in St. Valentin Halt machen musste, weiß, dass das eine kluge Entscheidung für alle folgenden Generationen war. Heute gehört der Familie neben der „Post“ noch das Hotel „Das Traunsee“, eine Berghütte am Feuerkogel, zwei Restaurants und vor allem das mit vier Hauben und einem Michelin-Stern ausgezeichnete „Bootshaus“. Dort kocht seit 14 Jahren Lukas Nagl, der „Koch des Jahres“ 2023. Dass Nagl der aus Funk und Fernsehen bekannte Star ist und Gröller als Eigentümer nur im Hintergrund bleibt, findet der gar nicht so schlecht: „Ich brauch die Öffentlichkeit gar nicht so.“ 

Zumal das Konzept „Der Koch kümmert sich um die Küche und der Eigentümer um die Finanzen“ gar nicht so unerfolgreich ist. Im „Bootshaus“ kriegt man Tische nur mit frühzeitiger Reservierung. Gleiches gilt für das Hotel. Erst vor Kurzem hat Gröller die „Post“ um 18 Millionen Euro renoviert, einen neuen Wellnessbereich samt neuem, zusätzlichem Hoteltrakt gebaut. Insgesamt 100 Zimmer gibt es in den beiden Häusern nun, die vollzukriegen, ist keine einfache Aufgabe. Vor allem im Salzkammergut, wo es, auch wenn es die Einheimischen so nie zugeben würden, an den allermeisten Tagen des Jahres entweder kalt ist oder regnet (und häufig sogar beides).

Markus  Huber

Markus Huber

ist im Hauptberuf Herausgeber des Magazins „Fleisch“ und schreibt für profil alle zwei Wochen die Kolumne „Powerlunch“.