Affäre Julius Meinl: Wo kein Richter

Die Ermittlungen der Justiz gegen Bankier Julius Meinl stehen unter keinem guten Stern. Die zuständige Richterin am Wiener Straflandesgericht, Bettina Deutenhauser – sie hatte im April des Vorjahrs Meinls ­zweitägige U-Haft respektive dessen Freilassung gegen eine Kaution von 100 Millionen Euro verfügt –, hat sich auf unbestimmte Zeit in den Krankenstand verabschiedet.

„Sie ist derzeit nicht im Dienst“, bestätigt Gerichtssprecher Christian Gneist. Dem Vernehmen nach soll ihr das Verfahren psychisch zunehmend zugesetzt haben. Ob sie den Fall weiter behält, ist unklar. Im Juli des Vorjahrs ließ Deutenhauser den Meinl-Gutachter der Staatsanwaltschaft Wien, Thomas Havranek, auf Druck der Meinl Bank absetzen – wegen angeblicher Befangenheit. Delikat: Sie hatte Meinl ­wenige Wochen zuvor aufgrund einer belastenden Expertise desselben ­Gutachters verhaften lassen.