Alte Herren und freie Radikale

Olympia, Aldania, Silesia: Die Wiener Landtagskandidaten hinter Heinz-Christian Strache kommen zu einem guten Teil aus dem Burschenschaftermilieu.

Die Mobilisierung von Neid und Missgunst, die Schuldzuweisung an Ausländer und andere Minderheiten sowie einen Schuss Antisemitismus hat die FPÖ bei den kommenden Landtagswahlen in die altbewährten Hände deutschnationaler Burschenschaften, Sängerbarden, rechtsextremer Landsmannschaften und freier Radikaler aus dem Jugendsektor gelegt - eine Truppe von fragwürdiger gesellschaftlicher Repräsentanz. So ist es wenig erstaunlich, dass in Neonaziforen der FPÖ großer Erfolg gewünscht wird ("den richtigen Weg eingeschlagen").

An zweiter Stelle hinter Heinz-Christian Strache kandidiert Johann Gudenus, der vermutlich als Stadtrat ohne Portefeuille ins Wiener Rathaus einziehen wird. Seine Karriere verlief bisher in einschlägigen Bahnen: von der Pennälerverbindung Vandalia - Verbindungsname "Wotan" - bis zur Familiensolidarität mit dem Vater, der schon einmal Probleme mit dem NS-Verbotsgesetz hatte.

NS-affin.
Schon als Gudenus 2003 Vorsitzender des RFJ (Ring Freiheitlicher Jugend) wurde, machte er sich für "vermehrte ideologische Schulung der Jugend" stark, um der Hegemonie von "freiem Warenverkehr, Marktwirtschaft und Multikultur" Bodenständiges entgegenzusetzen. Unter seiner RFJ-Obmannschaft wurde ein neonazistischer Führungskader zu einem Referat eingeladen. Bei der alljährlichen Ehrung für den NS-Fliegerhelden Walter Nowotny am Wiener Zentralfriedhof pflegten der RFJ und Neonazis, nur Stunden voneinander getrennt, für die gemeinsame Sache zu marschieren. Noch 2007 wollte Gudenus das NS-Verbotsgesetz "hinterfragen". Die Grenzen verwischen sich auch in umgekehrter Richtung. Gudenus und der Wiener Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein referieren gern bei der Aktionsgemeinschaft für eine freiheitliche Politik (AFP), der vom Verfassungsschutz eine "ausgeprägte Affinität zum Nationalsozialismus" nachgesagt wird. Begehrt war Gudenus dort offenbar wegen seiner Stellungnahmen zum "israelischen Staatsterrorismus" und kryptischer Anmerkungen zu den "Hintergründen der Anschläge am 11. September". Generell sieht Gudenus unsere Gesellschaft durch "Umvolkung" bedroht.

Ein Schuss Antisemitismus ist offenbar auch kein Schaden. Gregor Amhof etwa hatte sich mit Aussagen "gegen privilegierte NS-Opfer, deren am Judenplatz gedacht wird, während man Kriegstoten und Toten an der Heimatfront öffentliche Aufmerksamkeit verweigert", hervorgetan. Strache hatte damals von einer "unglücklichen Formulierung" gesprochen. Auf der Kandidatenliste findet sich Amhof dennoch. Michael Howanietz aus der Brigittenau schreibt im FPÖ-Organ "Neue Freie Zeitung" gegen die "plutokratische Weltdiktatur" an. Auch er ein Kandidat.

Insgesamt zählt Straches Wiener Liste rund 50 Burschenschafter, die meisten von ihnen gehören schlagenden deutschnationalen Verbindungen an. Besonders häufig finden sich Mitglieder der berüchtigten Burschenschaften Olympia, Aldania oder Silesia. Weibliche Kandidaten fallen durch ihr Engagement bei der rechtsextremen Österreichischen Landsmannschaft auf.

Auch solche, die schon einmal am NS-Verbotsgesetz anstreiften, sind willkommen. Franz Lindenbauer, der sich auf Facebook mit einem aufgemalten Hakenkreuz präsentierte, steht im zweiten Wiener Gemeindebezirk auf einem der vordersten Listenplätze. Vor wenigen Monaten war noch von einem Funktionsverbot die Rede. Kandidieren darf auch Michael Oberlechner, jener RFJ-Funktionär, der am Rande eines Parteitags das Horst-Wessel-Lied gesungen hatte und dem Staatsschutz aufgefallen war.

Oder Marcus Vetter, der sich einst beim "Aufruhrversand" mit rechtsradikalem Liedgut und entsprechendem Outfit eindeckte und seinen Job im Büro des freiheitlichen Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf quittieren musste.

Auf Bezirksebene schlägt sich die Geisteswelt der Freiheitlichen auf menschenverachtende, manchmal skurrile Weise nieder. Die Fixstarterin Veronika Matiasek meint etwa, "Zuwanderer" würden "wie Termiten über die Obstbäume" in den Wiener Steinhofgründen einfallen. Kandidat Gerald Ebinger fordert - gegen geltendes Recht -, Sozialleistungen nur "Staatsbürgern vorzubehalten". In der Josefstadt herrscht nach Ansicht der FPÖ-Bezirkspolitiker schon ein derart gefährlicher Ausnahmezustand, dass ältere Menschen tagsüber nicht mehr allein ihre Bankfiliale aufsuchen können. Am Alsergrund herrsche "Wild West". In den meisten Wiener Bezirken haben die Wiener Freiheitlichen einen Kebabstand ins Visier genommen, den sie mit Leidenschaft bekämpfen. Sie sehen den "heimischen Würstelstand bedroht".