Aristokratie: Das verklärte Bild des Adels trügt

König George VI. und der Oscar, Prinz William und Kate, Freiherr Guttenberg und der Dok tor: Adel bezaubert mal wieder. Und ist trotzdem nicht besser als sein Ruf.

Mit strammem Schritt tritt der Minister ans Stehpult, ein Oberstabsfeldwebel brüllt „Meine Damen und Herren, der Minister“, der Minister sagt „Grüß Gott“ und verkündet, ganz ohne Stottern: „Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.“ Anschließend erläutert er die „Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann“. Wie hoch diese Ansprüche auch gewesen sein mögen – der Minister hat ihnen nicht genügt und ist zu dem Zeitpunkt deshalb auch schon ein Ex-Minister. Der vorwöchige Auf- und Abtritt des Freiherrn von und zu Guttenberg in der Säulenhalle des Berliner Bendlerblocks erschütterte ganz Deutschland, insbesondere aber den „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. „Das graue Mittelmaß an den Hebeln der Macht fühlte sich vom Erfolg des Ausnahmepolitikers bedroht“, erläuterte der passionierte Guttenberg-Gutfinder und warnte: „Der Sturz des Verteidigungsministers markiert eine Zäsur: die beängstigende Entfremdung zwischen Regierten und Regierenden, zwischen der Bevölkerung und der Politik.“

Während sich in Berlin graues Mittelmaß anschickte, die Demokratie zu demolieren, schäumte im Internet blaues Blut: Alexander zu Schaumburg-Lippe, Oberhaupt eines niedersächsischen Adelsgeschlechts, kommentierte den Rücktritt des deutschen Verteidigungsministers auf Facebook mit einem erschütterten „Das traurige Ende einer beispiellosen Menschenhatz“. Johann Georg Kuefstein, ein österreichischer Standesvertreter, assistierte an selber Stelle: „Es ist Zeit zu hinterfragen, ob die Republik der Parteien durch die Republik der Medien abgelöst worden ist.“

Ob Karl-Theodor zu Guttenberg nicht doch auch eine Teilschuld am eigenen Abgang trage, wurde bei der Gelegenheit leider nicht weiter hinterfragt. Aber das konnte ja auch schwerlich der Fall sein, schließlich handelt es sich bei dem 39-jährigen Ausnahmepolitiker um einen astreinen, weder angeheirateten noch adoptierten Aristokraten aus altem Geschlecht. Über dessen hehre Motive und moralische Unanfechtbarkeit kann gar kein Zweifel bestehen. Adel ermächtigt. Und verfügt von Geburts wegen über eine Lebenseinstellung, die Johann Ferdinand Kuefstein, Sohn Johann Georgs und Vorstand der Vereinigung der Edelleute in Österreich (V.E.Ö.), anlässlich der Vereinsgründung anno 2005 gegenüber profil so definierte: „Traditionelle Werte, Ver­bundenheit mit der Heimat, katholische Gesinnung, die Überzeugung, dass Adel tatsächlich in erster Linie verpflichtet – zu Verantwortung und zur Erfüllung von Führungsaufgaben.“

Mit anderen Worten: Aristokraten sind die besseren, weil geborenen Staatenlenker. Auch wenn es zum Beweis dieser Tatsache manchmal eine etwas verklärte Sicht braucht und notfalls auch ein paar Details ausgelassen werden müssen, die mehr als nur Fußnoten sind. Aktuelles Beispiel: „The King’s Speech“, mit vier Oscars großer Sieger bei den diesjährigen Academy Awards. Der Film zeigt den britischen König George VI. in einer schwierigen Phase: Sein Bruder, König Edward VIII., verzichtet auf die Krone, um seine Mätresse Wallis Simpson zu heiraten; George muss einspringen, obwohl er sich wegen seines schweren Sprachfehlers lieber im Hintergrund gehalten hätte; schließlich bahnt sich in Deutschland auch noch ein Weltkrieg an, dem sich der stotternde König nicht so recht gewachsen fühlt. Auf dem Weg zum fürstlichen Happy End nehmen Regisseur Tom Hooper und sein Drehbuchautor David Seidler einige Abkürzungen – vor allem, was die Rolle des Kurzzeitkönigs Edward betrifft, der in Wirklichkeit äußerst emphatisch mit Hitler sympathisierte, 1937 nach seiner Hochzeit mit Wallis Simpson nach Nazi-Deutschland reiste, dem „Führer“ am Obersalzberg einen freundschaftlichen Besuch abstattete und sich sogar beim Hitler-Gruß fotografieren ließ.

Aber auch Edwards ­Bruder und Nachfolger George VI. hätte sich lange lieber mit Hitler verbündet, als gegen ihn in den Krieg zu ziehen; die Appeasement-Politik unterstützte er auch noch, als deutsche Soldaten bereits tief nach Frankreich und Skandinavien vorgedrungen waren. Erst spät rang sich George zu dem königlichen Widerstand auf, dessen Symbol er in den Kriegsjahren dann doch noch wurde. Der englische Historiker Andrew Roberts findet entsprechend harsche Worte zum Geschichtsbild von „The King’s Speech“: „Das Publikum sollte Bescheid wissen über die vielen krassen und ungeheuerlichen Fehler und aufgewärmten Mythen, die dieser ansonsten sehr reizende Film wiederkäut.“ Auch der Publizist Christopher Hitchens kommentierte die dramaturgischen Auslassungen von „The King’s Speech“, nicht zuletzt im Hinblick auf die bevorstehende Traumhochzeit zwischen Georges Urenkel William und der höheren Tochter Kate Middleton: „Praktisch das gesamte moralische Kapital dieser relativ merkwürdigen kleinen deutschen Dynastie wurde in diesen Mythos ihrer Teilhabe an Britanniens vornehmster Stunde investiert. Wäre es nach ihnen gegangen, hätte diese Stunde niemals stattgefunden.“

Unter ihrem heutigen Namen existiert diese relativ merkwürdige Dynastie erst seit dem 17. Juli 1917, als der damalige König George V. befand, dass sich sein Familienname – Saxe-Coburg and Gotha – mit den weltkriegsbedingt grassierenden antideutschen Ressentiments im britischen Empire nicht mehr wirklich vertrage (vor allem, nachdem deutsche Langstreckenflugzeuge des Typs Gotha G.IV London bombardiert hatten).

Per Dekret bestimmte George, der Enkel von Queen Victoria und Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, dass seine Familie ab sofort Windsor heiße. Spätere Dekrete bewahrten den neuen Namen auch über die Hochzeit der heutigen Regentin Elizabeth II. mit Philip von Griechenland und Dänemark hinweg, der eigentlich dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg angehört und sich einmal bitter über sein tragisches Schicksal beschwerte: „Ich bin nichts als eine verdammte Amöbe. Ich bin der einzige Mann in diesem Land, der seinen Kindern nicht den eigenen Namen weitergeben darf.“ Immerhin bewahrte sich Philip sein Talent für tiefe Einsichten und markante Einzeiler. Anlässlich eines Besuchs in China 1986 warnte er britische Studenten: „Wenn ihr noch länger hier bleibt, bekommt ihr alle Schlitzaugen.“ Während der großen britischen Rezession von 1981 gab er sich verwundert über die Klagen seiner Landsleute: „Alle haben doch immer gemeint, sie bräuchten mehr Freizeit.

Jetzt beschweren sie sich, dass sie arbeitslos sind.“ Bei einem Fabriksbesuch in Edinburgh staunte er über einen etwas derangierten Sicherungskasten: „Schaut aus, als hätte das ein Inder eingebaut.“ Und bei einem australischen Aborigine erkundigte er sich im März 2002 ganz höflich: „Werfen Sie immer noch mit Speeren?“

Aber trotz seiner diplomatischen Uneinsichtigkeit hat auch der seltsame Prinz Philip seine Fans. Nicht nur in Europa: Vom Stamm der Yaohnanen, die auf der südpazifischen Insel Tanna leben, wird er als Gott verehrt. Gemeinsam mit seiner Gattin hatte er 1974 den Inselstaat Vanuatu besucht, dabei identifizierte ihn der Yaohnanen-Stammesführer Jack Naiva an Bord der MS Britannia ganz zweifelsfrei: „Ich sah ihn in seiner weißen Uniform an Deck stehen und wusste, dass er der wahre Messias ist.“

Auch die Queen herself ist, ganz in diesem Sinn, überzeugt: „Man erwartet nicht von uns, dass wir uns wie menschliche Wesen benehmen“, weshalb sie in ihrem Dienst-Rolls-Royce auch eine Lampe einbauen ließ, die ihr einen „überirdischen Schimmer“ verleihen soll. Der Diana-Biograf Andrew Morton formulierte in einem Interview die Kernkompetenz der Royal Family jüngst so: „Sie sind wie Schauspieler. Sie haben eine Rolle: Sie machen ihren Königsjob. Und danach kicken sie ihre Schuhe weg, lümmeln sich aufs Sofa und schauen fern.“ Dabei lassen sie es sich aber offenbar auch ganz gern ganz gut gehen: Morton erzählte, dass sich Prinz Charles regelmäßig sechs Frühstückseier kochen ließ, um genau zwei davon zu essen, und auch einmal einen Korb Zwetschken von seinem Garten in High­grove nach Schloss Balmoral fliegen ließ, wenn ihm danach war: „Charles ist maßlos und widersprüchlich. Ein schwieriger Mensch.“

Entsprechend schwierig ist es auch, bei den Royals immer korrekt zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Aber meistens geht es im Fall der Windsors auch gar nicht darum, deren echte Charaktere und Intentionen zu hinterfragen. Der Erfolg von „The King’s Speech“ zeigt, dass die britischen Fürsten (wie die meisten ihrer europäischen Standesgenossen) vor allem als gehobenes Unterhaltungsprogramm funktionieren. Ob dabei die Grenze von Traum und Wirklichkeit verschwimmt, ist den meisten Beobachtern egal. „Tief im kollektiven britischen Unbewussten ist ein spezieller Ort für den Traum reserviert, dass die Queen zum Tee vorbeikommt“, schreibt der „Economist“. Man kann also davon ausgehen, dass Helena Bonham Carter, die in „The King’s Speech“ Georges VI. Frau Elizabeth spielt, nicht flunkerte, als sie der BBC anlässlich der Oscar-Verleihung erzählte, wie manche Passanten neuerdings die Augen ehrfurchtsvoll vor ihr niederschlagen: „Als wäre ich wirklich die Queen Mum.“

Die echten Royals plagen derweil andere Sorgen:
Wie soll man Tausende Gäste aus europäischen Königshäusern und Staatskanzleien, britische Honoratioren, Freunde aus Armee und Universitätszeiten sowie Reporter aus aller Welt am 29. April in die Westminster Abbey quetschen? Wie kann das Hochzeitskleid von Kate Middleton bis zu dem Moment ein Geheimnis bleiben, in dem sie vor der Kathedrale aus der Limousine steigt? Die Vorbereitungen zur Hochzeit von Prinz William, dem 28-jährigen Sohn von Prinz Charles, laufen auf Hochtouren. Dreißig Jahre nach der Traumhochzeit von Charles und Diana soll die unter Kreditklemme und Sparbudget leidende Nation wieder einmal königlich verzaubert werden. Offiziell bekennt man sich zwar zur Bescheidenheit und spricht von einer „austerity wedding“ (Sparhochzeit); tatsächlich lässt man sich aber natürlich nicht lumpen: 1900 Gäste wurden zur Trauung, 600 Gäste zum Lunch im Buckingham-Palast und 300 Ehrengäste zum abendlichen Hochzeitsfest geladen. Der Hochzeitstag selbst, der 29. April, wurde zum nationalen Feiertag erklärt.

Nicht alle Briten verzaubert die Aussicht auf die bevorstehende Prinzenhochzeit. Graham Smith, Chef der britischen Republikaner-Bewegung, steht vor dem Buckingham-Palast und erklärt, warum er die Queen am liebsten heute noch in Pension schicken würde: „Wir kämpfen für die Abschaffung der Monarchie, weil sie uns zu einem zutiefst undemokratischen Land macht. Die Macht wird von der Königin an die Regierung verliehen. Praktisch regiert der Premierminister für sie. Und nicht für uns, das Volk. Wir müssen eine richtige Verfassung festschreiben, in der die konstitutionelle Monarchie nicht mehr vorkommt.“

Ähnlich sieht man es sogar in Teilen der anglikanischen Kirche, deren Oberhaupt die Queen ist. Der Londoner Bischof Peter Broadbent urgierte nach Bekanntwerden der Verlobung von Will und Kate via Facebook: „Wir brauchen eine Party in Calais für alle guten Republikaner, die den widerlichen Quatsch rund um diese Veranstaltung nicht aushalten. Ich habe es geschafft, das letzte Zeitlupen-Desaster zwischen Segelohr und Porzellanpüppchen zu vermeiden – und ich hoffe, dass mir das Gleiche auch diesmal gelingt.“ Außerdem bezeichnete er die Windsors als „Schürzenjäger“ und das Prinzip der Erbfolge als „korrupt und sexistisch“ – ganz im Geist des ehemaligen Pressesprechers von Tony Blair, Alastair Campbell, der Mitte der neunziger Jahre erklärt hatte: „Die Royals repräsentieren für mich all das, was falsch in diesem Land ist: das Klassensystem, die Titelsucht, die eitle Kleiderordnung, Nepotismus und die Arroganz nie gewählter Macht.“

Trotzdem haben die Republikaner in Großbritannien einen harten Stand. Eine breite Mehrheit der Briten spricht sich für den Erhalt der konstitutionellen Monarchie aus. 2009 waren es in einer Umfrage 78 Prozent. Die britische Gesellschaft ist traditionell, konservativ und klassenbewusst. Dazu passt die königliche Familie mit ihren bizarren Hüten perfekt. Wesentlich gefestigter als das Klassenbewusstsein der Bevölkerung ist allerdings jenes der Lords und Ladies. Auch wenn der Status des britischen Adels zunehmend ins Wanken gerät, wie der britische Soziologe Frank Furedi meint: „Historisch war es gewiss ihre gewohnte Position, sich überlegen und als Repräsentanten einer vornehmeren Ordnung zu fühlen. Und es ist ihnen bis heute bewusst, dass sie über bestimmte Privilegien verfügen. Aber dahinter steckt auch eine defensive Haltung. Die Lords haben den Eindruck, dass ihre Rolle nicht mehr gewürdigt wird und in der Gesellschaft ein großes Unbehagen über ihre traditionellen Privilegien herrscht. Ihr Lebensstil, ihre Etikette und ihre Sprache werden verachtet. Die meisten britischen Lords fühlen sich im Ausland willkommener als zu Hause.“

Einen schönen Einblick in das traditionelle Selbstverständnis des britischen Hochadels gab Charles Spencer, der neunte Earl Spencer und Bruder der verstorbenen Prinzessin Diana, in einem Artikel für „Vanity Fair“ im Jänner 2010: „Als Inhaber eines der großen, vererbbaren Titel Britanniens musste man eigentlich nur tun, was von einem erwartet wurde, und dann sterben.“ Erwartet wurde: eine standesgemäße Eheschließung, öffentliche Einflussnahme in Royal Court oder House of Lords, Pflege der ­Familienlandwirtschaft (die traditionelle Haupteinnahmequelle des britischen Adels), Ausbau der Familienkunstsammlung, erfolgreiche Weitervererbung. Leider halten sich – gerade in letzter Zeit – immer weniger Betroffene an dieses bewährte Karrieremodell: Jasper Orlando Slingsby Duncombe zum Beispiel, der erstgeborene Sohn des sechsten Baron Feversham und präsumtiver Erbe von Duncombe Park, einem 150-Zimmer-Anwesen in Yorkshire mit einem Wert von 50 Millionen Euro, wurde in den neunziger Jahren zu drei Jahren Haft verurteilt, nachdem er – mit falschem Bart – einen Laden für Überwachungskameras überfallen hatte. Sein Anwalt plädierte damals auf verminderte Zurechnungsfähigkeit, weil Jasper den Tod seiner Mutter nicht verarbeitet habe, die an einer Überdosis starb, als er acht ­Jahre alt war. Der Familiensitz ging trotzdem an den Zweitgeborenen. Der Baron verdient heute sein Geld als Internetunternehmer – mit der „High Class Erotica“-­Seite relishxxx.com.

Für das Publikum fällt damit zweifellos eine unterhaltsame Geschichte ab, und tatsächlich verstehen auch Standesgenossen die Royals vor allem als Entertainer: Die Österreicherin Margrit Methuen lebt seit ihrer Hochzeit mit Lord Robert Methuen 1987 in England und weiß genau, warum jede Regung der königlichen Familie mit Argusaugen verfolgt wird: „Wir müssen alle hart arbeiten, die Preise in England sind ein Wucher, die meisten Leute haben einen riesigen Berg Schulden, den sie abarbeiten müssen, das Wetter ist immer grau und kalt, es regnet permanent – und die Royals bringen zumindest etwas Glamour in diese Tristesse.“

Ihre Glamourfunktion sei den europäischen Adelshäusern unbenommen; ganze Industriezweige leben schließlich davon. Wesentlich problematischer wird es aber, wenn sich Aristokraten im Vollgefühl der eigenen Unfehlbarkeit nicht nur über Anstandsgrenzen hinwegsetzen, sondern auch bürgerliche Gesetze übertreten. Auch Österreich, wo (dank der großzügigen Verteilung von Adelsbriefen durch Kaiser Franz Joseph) über 20.000 Aristos leben, kennt ein paar einschlägige Beispiele. Über Jahre hinweg ließ sich etwa Andrea Herberstein als steirische Society-„Gräfin“ hofieren – die Tochter eines Polarforschers hatte Otto Graf Herberstein geheiratet, nachdem dessen erste Ehe kinderlos geblieben war. Mit Landesgeldern und ÖVP-Verbindungen schuf Herberstein ein florierendes Mischunternehmen aus Tiergarten, Schlosspark und Kunstsammlung, das sie sich mit Millionen an Steuergeldern subventionieren ließ. Jahrelang war die gräfliche Familie der Ansicht, es gehe niemanden etwas an, wie viel Geld sie von ihren Firmenkonten behebt. Vorvergangene Woche zeigte sich die stets resolute Dame erstmals reumütig. „Ich stehe hier vor Ihnen als 57-jährige Frau, früher von der Politik und den Medien als Macherin gesehen, aber vor allem als Mutter von drei Kindern“, schluchzte Herberstein in die Mikrofone. Der Oberste Gerichtshof zeigte sich davon unbeeindruckt und verurteilte die Tierparkbesitzerin wegen Betrugs im Zusammenhang mit missbräuchlich verwendeten Fördergeldern zu zwei Jahren Haft, davon 16 Monate bedingt.

Auch über die vielfältigen Geschäfte des Forstwirts, Jägers, Waffenlobbyisten und Unternehmensberaters Alfons Mensdorff-Pouilly hat profil umfangreich berichtet. Zweimal saß der 57-Jährige in den letzten Jahren bereits in Untersuchungshaft, Behörden in Österreich, Großbritannien, Schweden, Ungarn und der Tschechischen Republik ermittelten und ermitteln unter anderem wegen Betrugs, Geldwäsche und falscher Zeugenaussage. Ein Verfahren ist anhängig, es gilt die Unschuldsvermutung.

Sind das nun die „höchsten Ansprüche“, von denen der unschuldsbewusste Herr Guttenberg vergangene Woche in schönstem Gutsherrenton referierte? Die „traditionellen Werte“, von denen die Vereinigung österreichischer Edelleute träumt? Oder doch nur ein Beispiel für das Ausmaß hochwohlgeborener Selbstherrlichkeit? Und muss man das denn wirklich alles so schrecklich negativ sehen? Es geht schließlich auch anders: Die Spielkartenfirma Piatnik zum Beispiel vertreibt zur kommenden Traumhochzeit ein Kate-und-William-Kartenspiel und erklärt im Klappentext das royale Ereignis zum „Event, das sogar den mieselsüchtigsten Misan­thropen aufheitern wird“. Denn genau das ist er doch, der Sinn der Monarchie: Prozac fürs Volk. Prinz Philip wusste das übrigens schon 1969, als er auf Staatsbesuch in Kanada verkündete: „Es ist ein völliges Missverständnis zu glauben, dass die Monarchie im Interesse des Monarchen ist. Das ist sie nicht. Sie ist im Interesse des Volkes. Wenn eine Nation irgendwann zu dem Schluss kommt, dass das System unakzeptabel ist, dann liegt es an ihr, dieses System zu ändern.“ Weise Worte.

Mitarbeit: Tina Goebel, Gunther Müller

Lesen Sie im profil 10/2011 einen Hintergrundbericht, warum der britische ­König Edward VIII. die Flitterwochen in Nazi-Deutschland verbrachte.