Erwin Pröll gegen ORF

Wie ein profil-Interview Krach zwischen Erwin Pröll und dem ORF sowie innerhalb der ORF-Geschäftsführung auslöste.

Vergangene Woche forderte Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll in einem profil-Interview die Ablöse der Geschäftsführung der Finanzmarktaufsicht (FMA) in Zusammenhang mit umstrittenen Veranlagungen der Hypo Niederösterreich. Der Hintergrund: Die FMA hatte 2011 einen Strafbescheid in Höhe von 58 Millionen Euro gegen die Hypo ausgestellt, den der Verwaltungsgerichtshof vor drei Wochen allerdings wieder aufhob.

Das Interview löste indirekt sowohl Differenzen zwischen Pröll und dem ORF als auch einen Krach innerhalb der Geschäftsführung des Rundfunks aus.

Anlass war ein „ZiB 2“-Bericht Dienstag vergangener Woche über Hintergründe und Reaktionen auf Prölls FMA-Kritik. Dass der „ZiB 2“-Beitrag Tiraden Jörg Haiders gegen die FMA („Mittelalterliche Henker“) aus dem Jahr 2006 thematisierte und – nach Prölls Interpretation – eine Linie vom Milliarden-Fiasko der Kärntner Hypo Alpe-Adria zu den Geschäften der Hypo Niederösterreich zog, dürfte den Landeshauptmann nachhaltig empört haben.

Reklamationsanrufe
Bestätigt werden Reklamationsanrufe Prölls noch am selben Abend. Geschäftsführer und leitende Redakteure des Rundfunks saßen zu dieser Stunde anlässlich eines Treffens mit den ORF-Auslandskorrespondenten beim Heurigen „Zahel“ in Mauer im 23. Wiener Gemeindebezirk. Interessierte Beobachter registrierten zu fortgerückter Stunde heftigere Meinungsverschiedenheiten am Tisch von Generaldirektor Alexander Wrabetz, Fernsehdirektorin Kathrin Zechner und Finanzchef Richard Grasl.

Dem Vernehmen nach betrafen die Auseinandersetzungen zunächst Prölls Beschwerden und gingen in Folge in bereits notorische Meinungsverschiedenheiten innerhalb des ORF-Direktoriums über Sparkurs-bedingte Programmeinschränkungen über.