Karl-Heinz Grasser: Die Quadratur des Preises

Karl-Heinz Grasser hat als Aufsichtsratsvorsitzender der Investmentfondsgruppe C-Quadrat im Vorjahr 75.000 Euro kassiert – für sieben Sitzungen.

Zu welchen Ermittlungsergebnissen die Staatsanwaltschaft Wien sich in der Causa Grasser auch immer bequemen mag. Materiell beginnt KHG das Strafübel bereits zu verspüren. So will dies- und jenseits der Landesgrenzen kaum noch jemand mit ihm in Geschäftsverbindung gebracht werden – und wenn doch, dann bloß im Verborgenen. Weil sich das mit dem Job eines Aufsichtsratsvorsitzenden etwa der börsennotierten Investmentfondsgruppe C-Quadrat eher nicht verträgt, musste Grasser sein Mandat ebenda bereits mit Wirkung vom 27. September 2010 zurücklegen. Nicht, ohne noch einmal ordentlich zuzulangen. So wurde dem verblichenen Aufsichtsratsvorsitzenden bei der jüngsten Hauptversammlung der C-Quadrat Investment AG am 27. Mai rückwirkend eine Vergütung für das Jahr 2010 in der Höhe von immerhin 100.000 Euro brutto zugestanden. Für die neun Monate zwischen Jänner und September erhält Grasser demnach anteilig 75.000 Euro (die restlichen 25.000 Euro stehen Nachfolger Marcus Mautner-Markhof zu).

Dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden (bis zu Grassers Demission hatte Mautner-Markhof diese Funktion inne) wurden für das Vorjahr vergleichsweise bescheidene 12.500 Euro zugebilligt, den einfachen Mitgliedern überhaupt nur 10.000 Euro. Zum Vergleich: Für 2009 hatte die Gesellschaft alle Kontrollore (einschließlich KHG) mit insgesamt bloß 63.000 Euro entlohnt.

C-Quadrat-Gründer und Vorstandschef Alexander Schütz erklärt die Vervielfachung von Grassers Gage mit dessen massiv gestiegenem Arbeitsaufwand. Alles ist relativ. Für besagte 75.000 Euro musste Karl-Heinz Grasser gerade einmal sieben Aufsichtsratssitzungen leiten. Rein rechnerisch hat er damit für jedes Meeting nicht ganz 11.000 Euro kassiert.

Den Draht zu C-Quadrat wird Grasser wohl schmerzlich vermissen. Denn unabhängig von der Aufsichtsratsvergütung durfte er auch über seine Wiener Beratungsgesellschaft Valuecreation GmbH an Geschäften des Investmentfondsanbieters partizipieren. Für die erfolgreiche „Vermittlung von Kontakten zu institutionellen Kunden“ kassierte Valuecreation von der C-Quadrat 2010 Provisionen in der Höhe von noch einmal 75.000 Euro – im Jahr davor waren es sogar 105.000 Euro gewesen. „Wir haben allen Aufsichtsräten schon vor längerer Zeit entsprechende Provisionsvereinbarungen angeboten“, sagt Schütz. Einige hätten diese auch abgeschlossen. „Aber Grasser war der Einzige, der wirklich Geschäft gebracht hat.“

Grassers Valuecreation GmbH könnte eine Schlüsselrolle in der Affäre um mutmaßlich unversteuerte Einkünfte des Finanzministers a. D. spielen – deren Büro war erst vor wenigen Tagen Schauplatz einer Hausdurchsuchung.