Graz: Farbenspiel bei den Gemeinderatswahlen

Vor neun Jahren hatte Siegfried Nagl, Erbe eines traditionsreichen Geschirr-und Glaswarengeschäfts in der Grazer Innenstadt, in einem Erdrutschsieg die ÖVP auf den ersten Platz katapultiert.

2008 konnte er seinen Stimmenanteil leicht ausbauen und ging eine Koalition mit den Grünen ein. Im vergangenen Sommer kündigte Nagl die Zusammenarbeit vorzeitig auf und rief Neuwahlen aus. Vizebürgermeisterin Lisa Rücker von den Grünen, die mit einer Wienerin zusammenlebt und in langen Gesprächen versuchte, Nagl von seinen Vorurteilen gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften abzubringen, ist mit der Forderung, auch für solche Paare den Trauungssaal im Grazer Rathaus zu öffnen, gescheitert. Eine Neuauflage der schwarz-grünen Zusammenarbeit hält sie nicht für zielführend.

Die SPÖ startet diesmal von einem ­historischen Tiefstand von 19,7 Prozent. Spitzenkandidatin Martina Schröck ist die jüngste und unerfahrenste Parteichefin, die die SPÖ Graz je hatte. Ihre weitaus gewiefteren Vorgänger hatten sich in einer Reihe von Konkurrenzkämpfen selbst aus dem Spiel genommen.

Die KPÖ hatte sich von 2003 auf 2008 in der Wählerzustimmung fast halbiert, doch ein zweistelliges Ergebnis ist realistisch. Mittlerweile hat die KPÖ ein Stammwählerpublikum unter Intellektuellen und Künstlern gewonnen. Spitzenkandidatin Elke Kahr ist es gelungen, den allseits ­beliebten Ernest Kaltenegger würdig zu ersetzen.

Die FPÖ wird trotz des farblosen Spitzenkandidaten Mario Eustacchio, dem immer wieder Rechts-außen-Kontakte nachgesagt werden, dazugewinnen. Gerald Gross vom BZÖ und die Piratenpartei werden wohl nicht im neuen Gemeinderat vertreten sein.