Senf und Sonnenhut: 50. Todestag von Hermann Hesse

Am 9. August 1962 starb Hermann Hesse, ein Superstar der Literatur des 20. Jahrhunderts. Verächter und Verehrer des Klassikers streiten bis heute über die Bedeutung des Schriftstellers und notorischen Schöngeists.

Über die literarische Größe Hermann Hesses, der vor 50 Jahren im schweizerischen Montagnola starb, herrscht noch immer Uneinigkeit. Während der deutsche Publizist Gunnar Decker in seiner voluminösen, kürzlich im Hanser Verlag publizierten Hesse-Biografie stellenweise durchaus schlüssig den singulären Stellenwert Hesses als Romancier und Essayist herauszuarbeiten versucht, steht dem eine Phalanx an Kritikern gegenüber, die seit Jahrzehnten den Nachweis der Zweit- und Drittrangigkeit der Hesse-Poesie erbringen wollen.

Unstrittig ist indes, dass Hesse, als außerliterarisches Phänomen betrachtet, längst Sonderstatus beanspruchen darf: Laut Suhrkamp Verlag, dem langjährigen obersten Hüter der Hesse-Schriften, der 1984 Andy Warhols ikonografisches Porträt des Literaten in Auftrag gab, liegt die Weltauflage des Schriftstellers aktuell bei rund 125 Millionen Exemplaren, allein Suhrkamp und der angegliederte Insel Verlag verkaufen bis zu 400.000 Hesse-Titel pro Jahr. "Siddhartha“ von 1922 (3,7 Mio. Exemplare) dominiert die internationalen Hesse-Bestenlisten, gefolgt von "Der Steppenwolf“ (1927; 3,5 Mio.) und "Unterm Rad“ (1906; 1,95 Mio.). Auf den Plätzen: "Narziß und Goldmund“ (1930), "Demian“ (1919) und das Spätwerk "Das Glasperlenspiel“ (1943). Hesses Werk liegt inzwischen in mehr als 60 Sprachen übersetzt vor, die internationalen Umsatzspitzenreiter sind Spanien, Südamerika, Italien, Korea und Japan, gefolgt von den USA, Frankreich, Brasilien, China und Osteuropa.

Konsens herrscht zudem über das außerordentliche Ausmaß dieses Werks: Die Ausgabe der "Sämtlichen Werke“ umfasst nahezu 15.000 Seiten; mehr als 44.000 Briefe und 3000 Rezensionen für über 50 verschiedene deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften verfasste der Autor im Lauf seines 85 Jahre währenden Lebens. Belege für zukünftige Pro- und-kontra-Hesse-Dispute finden sich darin sonder Zahl. In einem seiner Briefe bekannte Hesse, der ewige Wanderer mit Sonnenhut: "Da das raue Leben seinen reichlichen Senf dazugab, hat die Frauenliebe mir so viel Bitteres als Süßes eingebracht.“