Meinl Bank zeigt Gutachter an: Disziplar-
anzeige wegen angeblicher Befangenheit

Der Meinl-Skandal nimmt immer bizarrere Züge an. Noch im September soll das Oberlandesgericht Wien die Beschwerde der Staatsanwaltschaft Wien gegen die Abberufung ihres angeblich befangenen Sachverständigen Thomas Havranek behandeln.

Dieser war am 1. Juli auf Betreiben der Meinl Bank von Richterin Bettina Deutenhauser unter fragwürdigen Umständen kaltgestellt worden, seither sind die Ermittlungen völlig zum Erliegen gekommen.

Die nächste Groteske: Die Meinl Bank hat eine Disziplinaranzeige gegen Havranek bei dessen Standesvertretung, Kammer der Wirtschaftstreuhänder, eingebracht, weil er die „Ehre des Berufsstandes“ verletzt haben soll. Der Gutachter hatte sich bekanntlich im September 2007, also ein Jahr vor seiner Bestellung, in einem Zeitungskommentar kritisch zu den Vorgängen bei Meinl European Land (heute Atrium) geäußert. „Havranek hätte den Auftrag aufgrund seiner Voreingenommenheit gemäß den Standesregeln erst gar nicht annehmen dürfen“, argumentiert Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl. „Dann hat er laufend gegen das Gebot der Objektivität, der Unparteilichkeit und Unabhängigkeit verstoßen und damit großen Schaden angerichtet.“

Das Vorgehen der Meinl-Seite hat mittlerweile System. Gegenspieler werden rechtlich verfolgt und öffentlich diffamiert, die eigene Verantwortung dagegen kleingeredet, wenn nicht überhaupt negiert.

Havranek hat den Vorwurf der Befangenheit stets vehement zurückgewiesen. Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder wiederum will den Stand des Verfahrens, an dessen Ende allenfalls eine „Abmahnung“ stehen dürfte, nicht kommentieren.