Ohne Rekruten: Dem Herr gehen die Grundwehrdiener verloren

Während Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) über das Ende der Wehrpflicht nachdenken lässt, gehen dem Heer aufgrund des Zustroms zum Zivildienst die Rekruten aus, obwohl nach der Wehrdienstverkürzung auf sechs Monate unter Darabos-Vorgänger Günther Platter (ÖVP) eigentlich mehr Grundwehrdiener pro Einrückungstermin notwendig wären.

In einem vertraulichen Erlass des Verteidigungsministeriums vom 21. September 2010, Geschäftszahl S93312/2-S IV/2010, werden unter dem Schlagwort „Wehrpflichtigenkontingentierung – neue Wege“ nun drastische Maßnahmen angeordnet. Volltaugliche Jungmänner sollen nur noch in den Kampfeinheiten und nicht mehr als Systemerhalter dienen. Wachsoldaten absolvieren ab 2012 keine eigene Ausbildung mehr. Funktionssoldaten wie Köche oder Schreiber erhalten nur noch eine verkürzte Grundausbildung von vier Wochen. Die ebenfalls angedachte Verkürzung der militärischen Fahrschule von fünf auf vier Wochen wurde nach Protesten aus der Truppe vorerst aufgeschoben. Eine der so genannten „Prämissen“ der vom Chef der Sektion IV (Einsatz), Generalleutnant Christian Segur-Cabanac, unterzeichneten Weisung: „Keine Förderung des Wehrersatzdienstes durch eklatante Verschlechterung der Rahmenbedingungen für potenziell Einrückende.“