Pädophile Parteiprogramme auch in Österreich

Wie in Deutschland wurde in den 1980er-Jahren auch in links-alternativen ­Kreisen in Österreich die Legalisierung von Sex mit Kindern programmatisch betrieben.

Die Juli-Ausgabe 1984 der Zeitschrift „netzwerk“ der Alternativen Liste Wien (ALW), hatte – auf dem Deckblatt angekündigt – vier große Themen zum Inhalt: „Arbeit durch Umweltschutz“, „Mexiko“, „El Salvador“. Und: „Sexualität“. Wer verbal oder visuell Anregendes erwartet hatte, wurde enttäuscht. Auf vier Seiten druckte „netzwerk“ das „im Plenum beschlossene“ Parteiprogramm der Alternativen Liste Wien zur Sexualität ab. Laut dem einleitenden Text sei es „Zeit, das Programm zu diskutieren, damit in Wien bald keine/r mehr um die passenden Antworten verlegen ist“ . Gefunden wurde das Heft vom Publizisten Werner Reichel in der Nationalbibliothek. Der Autor arbeitet derzeit an einem Buch über die Grünen.

Unter dem Leitmotiv „Sexualität als Medium der Lust und ­Befreiung und nicht der Unter­drückung“ wendet sich das ALW-Programm „gegen die Zwangs­heterosexualität“ , „gegen die Zwangsfamilienhaltung“, „gegen die Funktionalisierung der Frau als Sexualobjekt“ sowie „gegen die Unterdrückung von Homosexualität in unserer männerbündischen Gesellschaft“ . Verlangt werden etwa „die Schaffung eines modernen Antidiskriminierungsgesetzes, das der Unterdrückung von Lesben und Schwulen entgegenwirken soll“ oder „Wiedergutmachung auch für homosexuelle KZ-Opfer“.

Außergewöhnlich muten aus heutiger Sicht freilich zusätzliche Forderungen aus dem ALW-Programm an. Originalzitat: „Noch immer existieren in Österreich diskriminierende Gesetze gegen sexuelle Kommunikation der Kinder mit Erwachsenen (StGB): § 206 ,Beischlaf mit einer unmündigen Person‘; § 207 ,Unzucht mit Unmündigen‘. Die Folgerung der Programm-Autoren: „Wir verlangen die sofortige und ersatzlose Streichung aller Gesetze, die die Einschränkung, Reglementierung oder diskriminierende Unterdrückung der Sexualität bedeuten. In Handlungen sexueller Kommunikation, die dem freien (auch nicht durch Abhängigkeit erzwungenen) Einverständnis aller Beteiligten (also auch der Kinder) entspringen, darf kein demokratischer Gesetzgeber sich einmischen, weil Gesetze zur Reglementierung der Sexualität nicht das be­wirken, was sie vorgeben zu bewirken.“

Sexuelle Kommunikation mit Kindern?
Im deutschen Wahlkampf hatte die Debatte über pädophile Strömungen in den Anfangsjahren der Grünen zuletzt auch Spitzenkandidat Jürgen Trittin erfasst. Dieser hatte 1981 ein Programm mit Forderungen nach Straffreiheit bei Sex mit Kindern presserechtlich verantwortet.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo pädophile Organisationen wie die „Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle“ Teil der Partei waren, gibt es in Österreich keine direkte historische Verbindung der ALW zu den heutigen Grünen. Zwar war die ALW-Bundesorganisation, die vergleichsweise gemäßigte Alternative Liste Österreich (ALÖ), eine der beiden grünen Vorläuferorganisationen. Doch die linksradikal dominierte ALW trat scharf gegen die neue, als zu bürgerlich kritisierte Grünbewegung um Freda Meissner-Blau auf und kandidierte mit einer eigenen Liste („Die Grünalternativen – Demokratische Liste“) sogar bei der Nationalratswahl 1986 – erfolglos. Im Gegensatz zu „Die Grüne Alternative – Liste Freda Meissner-Blau“, die damals mit acht Abgeordneten in den Nationalrat einzog.

Viele ALW-Aktivisten beendeten damals ihr Engagement. Manch pragmatischer Vertreter wechselte zu den Wiener Grünen. Der prominenteste: Thomas Prader. Der Rechtsanwalt war von 1995 bis 1998 sogar Parteichef der Grünen in Wien. 1983 hatte der heute 59-jährige Prader bei der Gemeinderatswahl für die ALW kandidiert. An die programmatische Forderung seiner damaligen Partei, Sex mit Kindern zu legalisieren, kann sich Prader gegenüber profil nicht erinnern: „Das war zu keinem Zeitpunkt ein Thema.“ Zusatz: „Und falls doch, hätte es eine überwältigende Mehrheit abgelehnt.“