"Die mit den Fragen"

Die deutschen Piraten sind ein ernst zu nehmender Faktor, kämpfen aber auch mit Überläufern von rechts.

Seitdem die deutsche Piratenpartei bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im vergangenen September einen Überraschungserfolg von neun Prozent erreichte, werden sie wegen ihrer zur Schau getragenen Unwissenheit in politischen Kernthemen - "Wir sind die mit den Fragen“ - mit Häme, aber auch immer öfter mit Lob für ihr Engagement überschüttet, jedenfalls ernst genommen. Der neu gewählte deutsche Bundespräsident Joachim Gauck würdigte sie als erfreuliche politische Erscheinung. Nach Umfragen würden sie derzeit leicht die 5-Prozent-Hürde für den Einzug in den Bundestag schaffen. Mittlerweile zählen die deutschen Piraten 21.000 Mitglieder in ihren Reihen, beim vergangenen Bundeskongress standen diskutierwütige junge Menschen Schlange vor dem Rednerpult. Ihre charismatische Bundesgeschäftsführerin Marina Weisband, die sich eben ein Jahr Auszeit erbeten hat, um ihr Studium zu beenden, ist begehrter Gast in allen Talkshows. Aus der SPD, den Grünen und der FDP laufen Jungpolitiker zu den Piraten über - freilich auch aus dem Umfeld der rechtsradikalen NPD und Esoterikkreisen, die sich über Anti-EU- und Überwachungsstaat-Proteste an die neue soziale Bewegung andienen. Sofern ihr politisches Vorleben bekannt ist, werden sie in den Reihen der Piraten nicht geduldet.