Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-ORF-Mann Strobl

Paukenschlag in der so genannten ORF-Abhöraffäre. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt nun gegen den früheren Kommunikationschef des ORF, Pius Strobl, wegen Verdachts auf Missbrauch von Tonaufnahme- oder Abhörgeräten (Paragraf 120 Strafgesetzbuch).

Strobl wird als Beschuldigter geführt. Die Vorgeschichte: Am 11. November 2010 fand im ORF-Zentrum eine Sitzung des Stiftungsrats statt. Auf der Tagesordnung stand auf Antrag von Generaldirektor Alexander Wrabetz die Abwahl von Informationsdirektor Elmar Oberhauser, der massiv gegen Wrabetz´ Wunschkandidaten für den Chefredakteursposten, Fritz Dittlbacher, opponiert hatte.

Gespräche aufgezeichnet
Pius Strobl hatte eine Mitarbeiterin angewiesen, mit einem digitalen Aufnahmegerät Gespräche von anwesenden Printjournalisten und ORF-Mitarbeitern vor dem Sitzungssaal aufzuzeichnen. Die Situation eskalierte, als die Strobl-Vertraute versuchte, eine Unterhaltung der damaligen ORF-Direktoren Wolfgang Lorenz, Thomas Prantner und Karl Amon mitzuschneiden. Strobl rechtfertigte sich im Anschluss, er habe die Aufnahmen zur „internen Bewertung“ beauftragt, um „eine Art Stimmungsbericht für die Kollegen in den Bundesländern“ zu machen. Nach vehementer Kritik trat der Kommunikationschef eine Woche später zurück. FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger erstattete Anzeige.

Laut profil-Informationen hat die Staatsanwaltschaft Wien Wolfgang Lorenz, Thomas Prantner und Karl Amon als Zeugen geladen. Die Ermittlungen werden vom Landeskriminalamt Wien durchgeführt.