Deal mit der Wirtschaftskammer
Dieses Stadtpalais war Mitte des 19. Jahrhunderts für Eugénie Gräfin Festetics von Tolna errichtet worden. 1897 zog das „k. k. Handelsmuseum“ dort ein. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Handelskammer Eigentümerin. Rund um das Jahr 1960 ließ nunmehr die Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Wien (später: WKW) das Gebäude adaptieren und nutzte es bis 2019 als eigenen Standort. Dann wurde jener – insgesamt mehr als 120 Millionen Euro schwere – Deal zwischen der WKW und der Signa-Gruppe schlagend, der bis heute für heftige Kritik sorgt und insbesondere für das Palais Festetics schwere Zeiten einläuten sollte.
Die WKW bekam von Signa ihre neue Zentrale am Wiener Praterstern und Signa im Gegenzug das Gewerbehaus und das Palais Festetics – quasi als Teil des Kaufpreises. Der Wert der Liegenschaften war zuvor mittels Gutachten errechnet worden. Letztlich wurde der Kaufpreis für das neue WKW-Hauses mit 121,472 Millionen Euro festgelegt. Der Preis für die anderen beiden Gebäude wurde mit 18,159 Millionen Euro (Palais Festetics) beziehungsweise 17,504 Millionen Euro (Gewerbehaus) fixiert, wie einem internen „Bericht über die Prüfung der Gebarung 2018 der Wirtschaftskammer Wien“ aus dem Jahr 2020 zu entnehmen ist, der profil vorliegt.
Ping-Pong-Immobilie
Klemens Hallmann (im Bild mit Frau Barbara Meier, Anm.) kaufte das Palais Festetics von Signa und verkaufte es später an eine Gesellschaft aus der Sphäre von Lukas Neugebauer. Beide Unternehmer mussten zwischenzeitig Insolvenz anmelden.
Satte Gewinne
Signa verkaufte jedoch zumindest eines der beiden Gebäude mit üppigem Gewinn weiter. Das Gewerbehaus ging laut im Grundbuch hinterlegtem Kaufvertrag am 7. März 2019 um 31,340 Millionen Euro an die damalige „ENI Zwei Immobilien GmbH & Co KG“, die zum Imperium des Wiener Immobilienunternehmer Daniel Jelitzka gehört. Rund 14 Millionen Euro verdiente Signa also allein durch den Weiterverkauf dieses Gebäudes.
Das Palais Festetics wiederum verkaufte Signa an Firmen des Immobilienunternehmers Klemens Hallmann. Dieser reichte es ein paar Jahre später an Unternehmen des prominenten Investors Lukas Neugebauer weiter. Heute gehört es über Zwischenfirmen einer Privatstiftung, die von Lukas Neugebauer und seinem Vater Stefan Neugebauer eingerichtet wurde. Benko, Hallmann und beide Neugebauers schlitterten mittlerweile in die Insolvenz. Benko sitzt in U-Haft und wurde bereits zweimal nicht rechtskräftig wegen mutmaßlicher Gläubigerschädigung verurteilt – er bestreitet sämtliche Vorwürfe und hat Rechtsmittel erhoben. Auch gegen Lukas Neugebauer hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft im Vorjahr eine Anklage eingebracht. Der Investor, der die Vorwürfe zurückweist, hat dagegen Einspruch erhoben. Die Anklageschrift ist somit noch nicht rechtswirksam.
Rätsel um Kaufpreis
Wie viel Gewinn Benkos Signa-Gruppe mit dem Palais Festetics machte, das sie um gut 18 Millionen Euro von der WKW erwarb, ist im Grundbuch nicht ersichtlich. Bei diesem Immobiliengeschäft handelt es sich nämlich um einen sogenannten Share Deal. Das heißt, nicht die Liegenschaft an sich, sondern die Firma, der sie gehört, wechselte den Besitzer – also die heutige „Palais Festetics Berggasse 16 Besitzgesellschaft mbH & Co KG“. Dementsprechend wurde auch kein Kaufvertrag im Grundbuch hinterlegt.
Früheren Medienberichten zufolge soll die Hallmann-Gruppe das Palais damals um 31,5 Millionen Euro erworben haben. profil-Informationen aus dem Signa-Umfeld zufolge sollen es „nur“ rund 23 Millionen Euro gewesen sein. Beide Summen will die Hallmann-Gruppe heute auf Nachfrage nicht kommentieren. „Aufgrund der abgeschlossenen Verträge unterliegen wir in Bezug auf das Palais sowie die damit verbundenen Transaktionen einer strengen vertraglichen Verschwiegenheitspflicht. Wir ersuchen hierfür um Ihr Verständnis“, heißt es dort auf Nachfrage.
Im jüngsten veröffentlichten Jahresabschluss für das Jahr 2021 beläuft sich das Anlagevermögen der Firma – also im Wesentlichen wohl das Palais selbst – auf rund 18 Millionen Euro. Gleichzeitig bestanden allerdings Verbindlichkeiten von rund 21 Millionen Euro. Dass aus Sicht der Unternehmensführung trotz eines negativen Eigenkapitals keine insolvenzrechtliche Überschuldung gegeben sei, wurde damals damit begründet, dass „ausreichend stille Reserven im Anlagevermögen (Grund und Gebäude)“ vorliegen würden. Der wahre Wert des Palais und der Kaufpreis lassen sich damit aus der Bilanz nicht herauslesen.
Ein Fall für den Exekutor
Im Grundbuch sind aktuell zwei Pfandrechte für Banken eingetragen: eines aus dem Jahr 2019 von bis zu 18 Millionen Euro, ein zweites von bis zu 17,875 Millionen Euro aus dem Jahr 2023. Offenbar hapert es jedoch mit der Rückzahlung: Zugunsten einer der Banken wurde im Vorjahr ein Versteigerungsverfahren eingeleitet. Es geht um eine Million Euro samt beträchtlicher Zinsen und Kosten. Ein Wiener Architekturbüro wiederum will 226.200 Euro plus Nebenforderungen, Kostenersatz und Zinsen. Ein Hausverwalter erwirkte im Juni 2025 beim Bezirksgericht Josefstadt eine Exekutionsbewilligung über rund 255.000 Euro. Ein Energieversorger macht mehrere Tausend Euro geltend. Und sogar das „Deutschmeister Schützenkorps“, das seit Jahrzehnten im Hofgebäude und im Souterrain des Palais eingemietet ist, fordert einige Hundert Euro. Eine unrühmliche Entwicklung für eine derart herrschaftliche Immobilie.
Mitglied der Kammer-Opposition schaltet WKStA ein
Doch zurück zu Signa und zur WKW: Der seinerzeitige Deal sorgte für reichlich Kritik an der WKW und deren Präsidenten Walter Ruck. Dieser muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die beiden Liegenschaften zu billig und damit zum Nachteil der Kammer an Signa verkauft zu haben. Zwischenzeitlich musste sich sogar die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) mit der Causa befassen. Das wiederum hat mit Franz Baumann zu tun. Er ist Mitglied der „Grünen Wirtschaft“, die zuletzt politisch scharf gegen die Kammerführung und den ÖVP-Wirtschaftsbund schoss, und sitzt seit 2010 im Kontrollausschuss der Wirtschaftskammer. Am 31. Juli des Vorjahres machte er – unter Offenlegung seines Namens – auf der Whistleblower-Plattform der WKStA eine Meldung, in der er festhielt, dass „die Vorgehensweise bedenklich“ sei und jedenfalls untersuchenswert. „Der Deal war eine Frechheit und mit Sicherheit nicht im Sinne der Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer“, sagt Baumann.
Die WKW kontert auf profil-Nachfrage: „Die Verträge wurden 2017 zum Verkehrswert 2017 abgeschlossen. Preisbasis war in allen drei Fällen der gutachterlich festgestellte Verkehrswert, der durch einen zweiten Gutachter bestätigt worden ist.“ Außerdem seien die Gutachten dem „erweiterten Präsidium“ vorgelegt worden.
Tatsächlich bezog die WKW ihre neue Zentrale am Wiener Praterstern erst zwei Jahre später. Präsident Ruck ließ sich bei der Eröffnung am 11. April 2019 medienwirksam in mehreren Metern Höhe auf einer Arbeitsbühne fotografieren. Signa strich währenddessen den Millionengewinn ein.