Laut Rohbericht erhielt das Event 800.000 Euro Bundesförderung, obwohl die zuständige Fachabteilung zuvor davon abgeraten hatte. Bereits im Jahr davor sei ressortintern vereinbart worden, „jährlich wiederkehrende, gewinnorientierte Sportgroßveranstaltungen, die weder EM noch WM seien, künftig nicht mehr zu fördern“. Trotzdem wurde die Förderung genehmigt. Der damalige Sport-Sektionschef Philipp Trattner soll dem Veranstalter laut Rechnungshof bei einem persönlichen Gespräch signalisiert haben, das sei „von politischer Seite gewünscht“.
Sektionschef Trattner, einst eingesetzt von Ex-FPÖ-Chef und -Sportminister Heinz-Christian Strache, taucht in dem Bericht auch noch ein zweites Mal auf.
Kompetenzüberschreitung durch Trattner?
Im Vorfeld der Trailrunning-WM 2023 in Tirol soll er dem Veranstalter schriftlich eine Förderung in der Höhe von rund 1,4 Millionen Euro zugesagt haben, obwohl seine Genehmigungsbefugnis bei 50.000 Euro lag. Der Rechnungshof trocken: „Die Zusage überstieg somit seine Befugnis um das 27-Fache.“ Die Fachabteilung habe nicht durch Trattner, sondern erst durch den Förderwerber von der Förderzusage erfahren. Eine Hand wusste offenbar nicht, was die andere förderte.
Er kenne den Rohbericht noch nicht, schreibt Trattner auf profil-Anfrage. Unabhängig davon hält er fest, dass die Vorwürfe „nicht zutreffen“. Sämtliche Schritte seien mit dem Kabinett Koglers abgestimmt gewesen, die Genehmigungsprozesse eingehalten worden.
Dem entgegen steht das Statement des Sportministeriums. Ob die Episode im Bericht so stimme, beantwortet das Ressort knapp mit: „Ja.“
Konsequenzen gegen Trattner seien von Vorgänger Kogler zu setzen gewesen. Vizekanzler Babler habe „bei Amtsantritt eine Sportsektion vorgefunden, in der Förderabläufe offenbar nicht mit der gebotenen Sorgfalt gehandhabt wurden. Nach interner Prüfung wurden Missstände sichtbar, die unter seinen Vorgängern Strache und Kogler entstanden beziehungsweise nicht behoben wurden“. Er habe „für Ordnung gesorgt“.
Kogler hatte erfolglos versucht, Trattner als Sektionschef loszuwerden. Unter Babler wurde er ausgetauscht, er ist nun als „Fachexperte“ im Ressort tätig. Zur weiteren beruflichen Zukunft von Trattner wollte sich das Ressort nicht äußern. Er dürfte vor dem Absprung stehen.
Die zentralen Kritikpunkte des Rechnungshofs reichen aber noch weiter: Obwohl die Sportförderung seit 2017 bei der Bundes-Sport GmbH gebündelt werden sollte, entscheidet das Ministerium weiter selbst über Großveranstaltungen – laut Rechnungshof äußerst unprofessionell: So verfügt das Ministerium über keine elektronische Erfassung von Anträgen. Einzelne Förderverträge wurden erst knapp vor oder gar nach der jeweiligen Veranstaltung abgeschlossen. Dringende Empfehlung der Prüfer: „Da die Entscheidungen bei der Förderung von Sportgroßveranstaltungen überwiegend politisch getroffen wurden, könnte eine auf Kennzahlen beruhende Entscheidungsbasis die Transparenz erhöhen.“ Dabei sollten „Wertschöpfungs-, Beschäftungseffekte und Auswirkungen auf die Sportausübung“ berücksichtigt werden.
Was sich jetzt bei der Sportförderung ändert
Eine Sprecherin Bablers betonte, dass entsprechend den Empfehlungen jährlich wiederkehrende „Veranstaltungen wie das Pro Beach Vienna oder das Upper Austria Ladies Linz nicht mehr gefördert“ würden. Eine Verlagerung aller Bundesförderungen zur Bundes-Sport GmbH werde „geprüft“, an der Digitalisierung der Anträge gearbeitet.
Auch das haben Prüfer mit Schiedsrichtern gemein: Wenn die Konkurrenz kritisiert wird, fällt die Akzeptanz des Urteils leichter.