46-226573173
Bild anzeigen
Wählen Sie profil als bevorzugte Google-Quelle

Wie die Hälfte des WKW-Vermögens in eine intransparente Holding verschoben wurde

Exklusiv: Wo ist das Vermögen der Wiener Wirtschaftskammer hin? Die Hälfte wurde in eine intransparente Holding-Firma verschoben. Wer dort kontrolliert und entscheidet, ist unklar. Am Ende hält Präsident Walter Ruck aber die Fäden in der Hand.

Drucken

Schriftgröße

Hören Sie sich diesen Artikel an

Niemand hält dem Wiener Kammerpräsidenten Walter Ruck so die Stange, wie der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Es gibt gemeinsame Interviews, wenn Ruck medial und Kammer-intern unter Druck gerät. Die nächste sozialpartnerschaftliche Zuneigungsgeste fand am Dienstag auf offener Bühne im Wiener Rathaus statt. Beide stellten ihre „Zukunftsvereinbarung“ für Wien vor. Eine Stadt, eine Wirtschaft – demonstrativer Schulterschluss.

Eigentlich ging es um Leuchttürme: Elf an der Zahl sollen in den kommenden fünf Jahren in der Hauptstadt realisiert werden und zum Aufschwung der Wiener Wirtschaft beitragen. Aber für Politik-Versteher war die Botschaft am Dienstag im Wiener Rathaus eine andere: „Lieber Walter“, sagte der Bürgermeister in Richtung Ruck, der auch Chef des Wiener Wirtschaftsbunds ist, des ÖVP-Wirtschaftsflügels. Und in Richtung der anwesenden Journalisten: „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Sozialpartnerschaft ganz wichtig ist.“ Erneut volle Solidarität für Ruck, der einiges an Erklärungsbedarf hat. Oder hätte.

Erst vergangene Woche berichteten profil und die „Kronen Zeitung“ über das schmucke Drittbüro des Präsidenten in Schloss Hernstein, das um sehr viel Geld und letztlich auf Kosten der Kammermitglieder umgebaut wurde. Die WKW musste für den Schlossbetrieb – ein Hotel mit Event-Location – Millionen zuschießen, weil die dahinterstehende Firma, die Schloss Hernstein Hotelbetriebsgesellschaft mbH, seit Jahren Verluste schreibt.

Die Spur von Hernstein führt nun zu einem ganz speziellen Projekt des Kammerpräsidenten, das allerdings ganz ohne Pressekonferenzen und öffentliche Publicity auskam. Die Recherche dazu gestaltet sich wie eine Schnitzeljagd durch das Firmenbuch in die schwer durchschaubare „Wiener Wirtschaft Holding GmbH“. Und siehe da: Dorthin wurde zuletzt die Hälfte des Wiener Kammervermögens verschoben. Das geht aus internen Kammerunterlagen hervor, die profil und „Krone“ vorliegen. Mehr als 200 Millionen Euro liegen dort, aber ein unabhängiges Aufsichtsgremium, das die Geschäftsführung dieser Holding überwacht oder transparent an das erweiterte Präsidium der Kammer berichtet, fehlt. Wie kann das sein? 

Marina Delcheva

Marina Delcheva

leitet das Wirtschafts-Ressort. Davor war sie bei der „Wiener Zeitung“.