Agnes Husslein-Arco, 62, Noch-Direktorin des Belvedere
Agnes Husslein-Arco, 62, Noch-Direktorin des Belvedere

© APA/HERBERT NEUBAUER

Kultur
07/19/2016

Abrechnung: Die Ressourcen des Belevedere

Die ungewisse Zukunft von Agnes Husslein

von Nina Schedlmayer

Eine stattliche Reihe von Künstlern, Museumsdirektoren und Kuratoren unterzeichnete kürzlich eine Petition an Kulturminister Thomas Drozda: Er möge den Vertrag von Belvedere-Chefin Agnes Husslein verlängern und sich "gegen den destruktiven Willen aller vorgestrigen und hoffnungsfrohen Besserwisser, Skeptiker und Kunstfeinde“ stellen. Wie eine Überprüfung in der Vorwoche aber zutage förderte, hatte Husslein Ressourcen des Hauses privat genutzt, in durchaus ähnlicher Manier wie ihre einstigen Kollegen Gerald Matt (Kunsthalle Wien) und Peter Noever (MAK).

Dabei ist der kolportierte Betrag von 13.000 Euro (den Husslein dem Belvedere zurückzahlen will) keineswegs eine Bagatelle, wie mancherorts behauptet wird: Immerhin entspricht die Summe mehreren Monatsgehältern durchschnittlich verdienender Menschen. Und wenn die Direktorin EDV-Installationen und Reparaturen in ihrer Privatwohnung damit begründet, dass sie manchmal daheim arbeite und dort Gäste des Belvedere empfange, dann muss wohl jede Kuratorin, die abends an ihrem (nicht durch Haustechniker gewarteten) Privatcomputer sitzt, den Kopf schütteln.

Dass Thomas Drozda Husslein nun so schnell wie möglich einen kaufmännischen Geschäftsführer zur Seite stellen will, kann nicht als Vertrauensvorschuss gewertet werden.

Ebenso befremdlich mutet die Selbstverständlichkeit an, mit der Husslein ihren Sommerfrischeort Pörtschach zur Außendienststelle deklarierte. 2014 fielen dafür 2206,60 Euro Kilometergeld an, wie eine - profil vorliegende - Abrechnung auflistet. Vom Mai 2014 datiert eine Aufstellung über einige Nächte im Luxushotel "The Mark“ in New York - mit Raten zwischen 825 und 1025 Dollar pro Nacht zuzüglich Steuern. Es passt ins Bild, dass jene Prokuristin, von der die Überprüfung angezettelt worden war, nun dienstfrei gestellt wurde - wogegen sie inzwischen mit einem Anwaltsschreiben reagiert hat. Was genau daran "kunstfeindlich“ sein soll, solche Vorgänge zu kritisieren, erschließt sich nicht.

Das Belvedere-Kuratorium empfahl Drozda, Husslein zwar bis Ende dieses Jahres (so lange läuft ihr Vertrag noch) zu beschäftigen, nicht aber, diesen zu verlängern. Darüber soll in den nächsten Wochen beraten werden. Dass Drozda Husslein nun so schnell wie möglich einen kaufmännischen Geschäftsführer zur Seite stellen will, kann nicht als Vertrauensvorschuss gewertet werden.

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