Max Richter - "Sleep"
Max Richter - "Sleep"

© Wolfgang Borrs

Kultur
04/14/2020

Mit Max Richter durch die Nacht

Countersound #18: Philip Dulle findet Musik gegen Corona.

von Philip Dulle

Eine kollektive Schlaf- und Ruhelosigkeit scheint sich über die Welt gelegt zu haben. Im Jahr der Pandemie regiert eine innere Unruhe zwischen Nachrichten-Dauerschleife, Covid-19-Live-Statistik und latenter Zukunftsangst. Der britische Komponist Max Richter hat für das Innehalten in unruhigen Zeiten schon vor fünf Jahren die musikalische Antwort gefunden – dafür nutzte er Violinen, Viola, Violencelli, Orgel, Synthesizer und sein Piano. Acht Stunden und 24 Minuten lang dauert sein monumentales Schlaflied „Sleep“ – ein sich wiederholender Strom langsamer, sanfter Klangvariationen.

Am vergangenen Wochenende war das Opus auf BBC Radio 3 und anderen europäischen Radiostationen wieder in voller Länge zu hören. „Vor fünf Jahren schrieb ich ‚Sleep’ als eine Einladung, in unserem geschäftigen Leben einen Moment innezuhalten,“ schreibt Richter in einem Statement. Aus dem Wiegenlied für eine hektische Welt, so der 54-Jährige, ist jetzt eine Meditation für eine wenig willkommene Auszeit geworden. „Bleiben Sie zu Hause, bleiben Sie gesund, und genießen Sie acht Stunden der Ruhe mit den Menschen, die Ihnen nahestehen.“

Alles wird gut.