Lena Henkes Kunstwerk die Urmutter
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Neue Ausstellung in der Heidi Horten Collection: Der Mensch ist auch nur ein Tier

Das Wiener Kunsthaus widmet sich der heiklen Beziehung zwischen Tier und Mensch. Eine Begegnung mit störrischen Kreaturen, lila Schweinen und Stoffmonstern in synthetischem Öl.

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Die Geschichte von Mensch und Tier beginnt, wenn man einen Zeitpunkt herausgreifen möchte, der zugleich ein Wendepunkt ist, mit der Schlange im Geäst. Schenkt man der Bibel Glauben, durften die ersten Menschen auf keinen Fall die Früchte antasten, die am Baum der Erkenntnis von Gut und Böse hingen. Man weiß um das Ende dieser Episode: Es züngelte die Schlange, die Menschheit war fortan in den Sündenpfuhl getunkt. Das Mit- und Gegeneinander von Tier und wir ist seit damals keineswegs einfacher geworden. Paradise Lost.

Die soeben eröffnete Ausstellung „Animalia. Von Tieren und Menschen“ in der Wiener Heidi Horten Collection wandelt ebenfalls entlang der prekären Grenze zwischen jenem Zweifüßer mit sechs Buchstaben, als welcher der Mensch in Kreuzworträtseln auftaucht, und dem weitläufigen Reich der Tierwelt. In sechs Abschnitten, verteilt auf zwei Ebenen, versammelt die Schau rund 90 Werke des 20. und 21. Jahrhunderts, wobei gut die Hälfte aus der hauseigenen Sammlung stammt; 47 Leihgaben aus dem Belvedere, dem Wiener Museum für moderne Kunst sowie private Entlehnungen komplettieren die Spurensuche durch die lange Geschichte des buchstäblich Animalischen in der Kunst, die von den Kuratorinnen Véronique Abpurg und Annkathrin Weber gestaltet wurde.

Museumsstifterin Horten war ebenfalls als ausgewiesene Tierliebhaberin bekannt. „Die Milliardärin und Mäzenin hatte vor ihrem Ableben im Juni 2022 elf Hunde, fünf Katzen und zwei Papageien“, meldete kürzlich ein Boulevardblatt.

Die alte Frage, wie der Mensch sein Selbstbildnis im Verhältnis zu seinen animalischen Mit- und Nebenbewohnern definiert, wird im Haus in der Wiener Hanuschgasse neu aufgerollt – aber nicht auf den Kopf gestellt, wie jene über vier Meter hohe Bronzeskulptur des Spaniers Miquel Barceló im Außenbereich vermuten ließe, die einen Elefanten zeigt, der erstaunlich grazil auf seinem eigenen Rüssel balanciert.

Bereits Christian Morgenstern wusste, dass jede Tierdarstellung zugleich von unseren eigenen Ängsten, Hoffnungen und unserem häufig verdrehten Selbstverständnis als Animal rationale erzählt: „Auf dem Fliegenplaneten, / Da geht es dem Menschen nicht gut: / Denn was er hier der Fliege, / Die Fliege dort ihm tut.“

Wolfgang Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.