Blick zurück in die Kindheit: Neue Ausstellung zu Natur, Familie & Wahrnehmung
Ein gewisser Minimalismus ist der Arbeit des österreichischen Medienkünstlers Manfred Neuwirth eigen. Dabei beschränkt er sich nur ästhetisch, nicht jedoch in der Wahl seiner Mittel. Die acht neuen Arbeiten, die er unter dem Titel „Space of the Gaze“ ab sofort in der Medienwerkstatt Wien (Neubaugasse 40a, bis 6. 2., Di–Fr, 15–20 Uhr) ausstellt, fächern ein breites Reservoir an Genres auf: Neben Fotografie und Videoinstallationen zeigt Neuwirth auch Mixed-Media-Arbeiten und etwa ein durch die VR-Brille zu betrachtendes virtuelles Video-Triptychon, bezieht sich auf Videopionier Nam June Paik und arbeitet mit Ambient-Soundtracks von Christian Fennesz.
Bilder aus den Sixties: Manfred Neuwirth als Kind in den Dias seines Vaters
Großspurig ist er dabei nie: Neuwirth geht subtil vor, um die Eigenheiten des Blicks ins Visier zu nehmen. Die zentrale Arbeit ist ein Dia-Film, ein halbstündiges motion picture aus Standbildern. Der Puls ist hoch: 40 zart ineinander überblendende, zwischen Quer- und Hochformat springende Bilder in 60 Sekunden – das ist zu schnell, um sich auf die individuellen Ansichten wirklich einlassen zu können. Aber es ist langsam genug, um die Strukturen des „Urlaub-Sehens“, die Systematiken der Familienporträts (und, damit verbunden, auch gewisser Welt-Sichten) zu erkennen. Rund 1200 Amateurfotografien aus den Jahren 1960 bis 1968 setzt Neuwirth hier hintereinander: private Aufnahmen, hinterlassene Dias seines Vaters aus den Jahren 1960–’68. Neuwirths Bearbeitung ist ein Tribut an die Blickweisen des Vaters, die den Sohn geprägt, für die Medienkunst vielleicht sogar initiiert haben. Das Flüchtige der gefrorenen Augenblicke, die ein Leben ausmachen, hinterlässt einen so bitteren wie süßen Nachgeschmack.