Obacht, Österreich! Die deutsche Ulknudel Otto kapert die Wiener Albertina
Zwillinge, wohin man blickt. Am Dienstagvormittag war in den Prunkräumen der Wiener Albertina ein Humor-Gipfeltreffen angesetzt. Umringt von Reporterinnen und Reportern, Fotoapparaten und Kameras, sprachen Albertina-Chef Ralph Gleis und Otto Waalkes über jene Ausstellung, die bis Mitte Jänner 2027 zu sehen sein wird: „Otto Meets Albertina“, eine Art Carte blanche hingepinselter Heiterkeit.
Und die Zwillingssache? Kam gleich in doppelter Ausführung. Einerseits erschienen Waalkes und Gleis unabgesprochen in nahezu identem Anzughellblau, gewissermaßen als die zwei Seiten einer Kunstmedaille: Humor und Hochkunst, die in der Albertina, deren Bestand Werke von Dürer, Michelangelo, Rembrandt, Rubens, Klimt, Schiele bis hin zu Maria Lassnig umfasst, in diesem Jahr ihr 250. Jubiläum feiert.
Anderseits: „Otto Meets Albertina“ ist Hommage und Parodie gleichermaßen. Waalkes, einer der letzten großen deutschsprachigen Konsens-Komiker, für den es nahezu ausgeschlossen scheint, aufgrund seiner Aussagen und Auftritte in Shit-Stürme hineingespült zu werden, pinselte zwölf Otto-Originale auf Basis ebenso vieler Papierarbeiten aus der Albertina; der ungleiche Paarlauf wird in zwei Prunkräumen gezeigt, jeweils ein Otto neben der entsprechenden Albertina-Vorlage.
Waalkes, 77, eröffnete seine eigene Schau mit charmanter Kopfwackelei und kehligen Kurzlachern. Aufs Jodeln vergaß der Mann, dem schlechte Laune offenbar unbekannt ist, ebenfalls nicht.
Gegen Ende delirierte Waalkes, der neben seinen Komiker-Agenden etliche weitere Berufe ausübt – Zeichner, Maler, Musiker, Schauspieler, Regisseur, Synchronsprecher, Webvideoproduzent –, als Poet: „Der OTTO in der Albertina – / wos wül der do?, fragt jeda Weana. / Doch ehe Sie sich groß beklagen, / werde ich Ihnen das gleich sagen: / Zwölf Bilder hab‘ ich ausgewählt, / das sieht man, wenn man richtig zählt. / Die Wahl war eine wahre Qual, / denn hier gibt’s Bilder ohne Zahl.“ Eine kurze Otto-Albertina-Bilderschau.