Die Hamburger Rapperin Shirin David sagt: „Vergewaltigungsopfer werden systematisch von unserem Rechtssystem vernachlässigt, und ich werde nicht zulassen, dass sie auch noch von einer ganzen Industrie stumm gestellt werden.“

© Alexander Hassenstein/Getty Images

Pop
07/09/2021

#deutschrapmetoo: Es geht auch anders

Sexismus-Diskussionen im deutschsprachigen Rap gibt es seit Jahrzehnten. Was ist seit #deutschrapmetoo anders? Und wer macht es besser?

von Lena Leibetseder

In der deutschen HipHop-Szene schwelt seit Wochen eine #MeToo-Debatte, nachdem Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Berliner Rapper Samra bekannt wurden (#deutschrapmetoo). Endlich – denn dass Sexismus, Misogynie und Gewalt sich oft nicht nur auf die Songtexte beschränken, ist seit Jahren bekannt. Ähnliche Vorwürfe gab es bereits gegenüber Bushido; zudem stehen die Hass-Texte von Gzuz, Kollegah und Farid Bang dauerhaft in der Kritik.

Deutsch-Rap generell zu verurteilen wäre aber zu kurz gegriffen. Denn es lässt sich auch gewaltfrei kreativ sein: Conscious Rap, zu Recht oft als Pendant zu Gangsta- oder Battle-Rap bezeichnet, ist gesellschaftskritisch und politisch motiviert. Musikerinnen wie Sookee positionieren sich klar gegen Homophobie und Sexismus. In den Texten der deutschen Rapperin etwa geht es um queere Tiere und sexuelle Identität. Sie zeigt, dass Political Correctness nicht langweilig sein muss.

Und in Österreich? Die Newcomerin Nenda nimmt auf ihrer Debüt-Single „Mixed Feelings“ Rassismus-Erfahrungen ins Visier. Das Wiener Duo EsRAP knöpft sich regelmäßig die heimische Integrationspolitik vor und singt Hymnen auf die Diversität in Wien-Ottakring.

Nicht konsequent woke, aber diskursfreudig zeigt sich die Hamburger Rapperin Shirin David. Auf Instagram veröffentlichte David ein ausführliches Statement, in dem sie Medien, die Musikerkollegenschaft und auch sich selbst in die Pflicht nahm: „Vergewaltigungsopfer werden systematisch von unserem Rechtssystem vernachlässigt, und ich werde nicht zulassen, dass sie auch noch von einer ganzen Industrie stumm gestellt werden.“ In dem Track „Lieben wir“ hatte David Samra „in einem positiven Zusammenhang erwähnt“ – die betreffende Zeile hat sie nun kurzerhand aus dem Lied gestrichen.

Anspieltipp: Das Duo Hoe_Mies, bestehend aus den DJs und Podcasterinnen Gizem Adiyaman und Lucia Luciano, kuratiert monatlich auf Spotify die Playlist „Clitney Houston’s Monthly Tunes“. Garantiert woke und vorwiegend mit Frauen und queeren KünstlerInnen.

Auch auf Spotify: Die Songs der Woche aus der profil-Redaktion in der Aufgedreht-Playlist. Jeden Freitag neu. Mit Shirin David, Nenda und EsRap.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.