© Philipp Gladsome

Aufgedreht
06/04/2021

„Bring mir den Kopf von Julian Reichelt“

Populärkultur & Musik zur Zeit. Teil vier: Der kathartische Nihilismus-Rap des Berliner HipHop-Trios K.I.Z.

von Philip Dulle, Lena Leibetseder

Straßenrap im Parlament. „Rap über Hass“, das neue Album von K.I.Z, öffnet mit einem unfreiwilligen Feature des AfD-Bundestagsabgeordneten Bernd Baumann, der dem HipHop-Trio während einer Bundestagssitzung im September 2018 attestierte, „gewaltverherrlichend, deutschfeindlich und christenfeindlich“ zu sein. Baumann hatte sich daran gestoßen, dass die Berliner bei einem Konzert gegen Rechts in Chemnitz aufgetreten waren.

Die Kritik nehmen die Brachial-Satiriker K.I.Z einerseits als Kompliment, andererseits als Aufschlag für zwölf neue Songs. Denn als das, was Baumann bemäkelt, wollen sich Maxim Drüner (36), Tarek Ebéné (34) und Nico Seyfrid (37) ganz bewusst positionieren. „Rap über Hass“ ist eine 42-minütige Triggerwarnung, die absichtlich mit allen Tabus bricht: Es geht um Sexismus („Unterfickt und geistig behindert“), Inzucht, Tod und Gewalt: „Wenn du in die Crew hineinwillst / Bring mir den Kopf von Julian Reichelt“, heißt es im Album-Opener.

K.I.Z teilt aber nicht nur gegen rechte Politiker und Boulevardjournalisten aus. Das Trio kennt, so scheint es, keine Schmerzgrenze. Die Frage bleibt: Meinen die das eigentlich ernst? K.I.Z sagen ja – und meinen natürlich: nein. Zum Album ist im kommenden Jahr eine große Tour geplant, in deren Rahmen es wieder Konzerte nur für Frauen geben soll. Die Rapper hassen nämlich nicht nur die Alternative für Deutschland, sondern auch Männer. Es soll sich bloß niemand sicher fühlen.

K.I.Z: Rap über Hass (Vertigo/Universal)

Auf Spotify finden Sie die Aufgedreht-Playlist von Lena Leibetseder und Philip Dulle. Jeden Freitag neu. 

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