Die nackte Künstlerin Florentina Holzinger hängt kopfüber, als menschlicher Klöppel, in einer großen Messingglocke
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Wem die Stunde schlägt: Florentina Holzingers Biennale-Arbeit gerät zum Welterfolg

Die Wiener Performance-Künstlerin Florentina Holzinger verblüfft und fasziniert Venedig: Ihre vielschichtige Biennale-Arbeit gilt als Triumph subversiver Gestaltung.

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Sie kam, schwang und siegte: Die Wiener Künstlerin Florentina Holzinger, deren nackter Körper da die von einem Teleskopkran gehaltene Messingglocke schlug, nahm die Biennale in Venedig in den vergangenen Tagen im Sturm. Noch während der Preview-Tage der am 9. Mai offiziell eröffnenden Schau, des neben der (nur alle fünf Jahre stattfindenden) Documenta und der Art Basel wohl wichtigsten Kunstereignisses der Welt, lenkte die Choreografin und Extrem-Performerin alle Blicke auf den österreichischen Pavillon, der am weitläufigen Gelände der venezianischen Giardini in einer der hinteren Ecken liegt.

Nackte Taucherin mit Sauerstoffgerät steht in einem quadratischen Aquarium, den Blick geradeaus gerichtet.
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Denn Holzingers Angebote sind so vieldeutig wie bildmächtig: Nach einem Vorspiel in der Lagune entfaltete sich vor und im Josef-Hoffmann-Bau in den Giardini ein wässriger Mikrokosmos: „Seaworld Venice“ hat sie ihre komplexe, aus mehreren Stationen bestehende Biennale-Arbeit genannt: Im Innenhof findet sich ein Aquarium, in dem Performerinnen durch Wasser tauchen, das aus den in zwei Mobilklos gesammelten und per Kläranlage gereinigten Publikumsausscheidungen besteht. In den im Inneren des Pavillons gelegenen Räumen fahren unbekleidete Darstellerinnen Jetski und erklimmen eine mit mythischen Wassergestalten dekorierte Säule.

Eine Reihe unbekleideter Performerinnen klettert in einem Innenraum eine mit Skulpturen dekorierte Säule hinauf.
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Und Holzinger provozierte klug die absehbaren Pawlow’schen Reflexe des Medien-Boulevards und der Kunstreaktionäre, die angesichts der bloßen Präsenz von Harn und Nacktheit wütend alle feministischen und ökologischen Subtexte – und alle ästhetischen Qualitäten – dieser Arbeit übersahen. Das internationale Feuilleton dagegen schwärmte, sogar die "New York Times" schrieb in seltener superlativischer Ekstase, dass Holzingers ins Auge stechende Arbeit die anderen Pavillon-Programme "um Millionen von Meilen" überrage. Fast sieben Monate lang, bis 22. 11., werden Holzingers Performerinnen den Pavillon bespielen.

Eine nackte junge Frau fährt mit dem Jetski durch einen Innenraum-Pool
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profil-Fotografin Anna Blau kämpfte sich während der Eröffnung des Austro-Pavillons am vergangenen Mittwoch furchtlos durch die um die besten Blicke ringenden Menschenmengen, um die Fotos zu schießen, die Sie hier sehen können.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.