Autor Wondratschek,„BesenundSpaghetti“-GeschäftsführerJ auernik
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Warum es Wondratscheks Gedichte nur in einem Besen-Shop zu kaufen gibt

Was passiert, wenn der große, grandios schwierige Dichter Wolf Wondratschek gänzlich neue Verlagswege beschreitet? Sein neues Buch ist nur in einem einzigen Wiener Geschäft erhältlich, um 300 Euro: im „Besen und Spaghetti“. profil war dort.

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Es gibt Tage im Geschäft von Christian Jauernik, die beginnen mit dem Besuch eines Burgtheaterschauspielers und enden mit der Stippvisite des ersten Gewinners der TV-„Millionenshow“. An diesem Aprilabend sitzt Wolf Wondratschek im „Besen und Spaghetti“, was keineswegs ein zwangsorigineller Name für ein Ladengeschäft in Flanierweite vom Wiener Naschmarkt ist. Er ist vielmehr Programm: In Jauerniks vor gut zehn Jahren eröffnetem Haushaltswarengeschäft in der Kettenbrückengasse gibt es Bücherbürsten, Tierhaarbürsten, Steckdosenbürsten, Küchenbesen, Staubwedel; dazu ein Regal mit Pasta di Martino, dem Teigwarentraum aus Kampanien, dessen Verpackungen einst Dolce & Gabbana entwarfen, sowie andere Artikel, von denen man nicht einmal wusste, dass es sie gibt, geschweige denn, dass man sie haben will. Klasse statt Masse. Fabelhafter Firlefanz. Antikonsumismus und analoges Einkaufen im besten Sinne.

Wondratschek und Jauernik pflegen seit Jahren eine Männerfreundschaft, eine Banlieue-Bromance. Nicht gerade Statler und Waldorf aus der „Muppet Show“, eher Wladimir und Estragon aus „Warten auf Godot“ auf der kleinen Bühne des Wiener Alltags.

Verkauft wird hier nur, was ich persönlich toll finde.

Christian Jauernik

„Besen und Spaghetti“-Geschäftsführer"

Schwer zu sagen, was diese beiden Virtuosen des Exzentrischen zusammenhält. Wondratschek, 82, ist ein großer und grandios schwieriger deutscher Lyriker und Romancier, der seit 1996 in Wien lebt, in dessen Büchern die Poesie mühelos in die Prosa strömt – von „Früher begann der Tag mit einer Schusswunde“ (1969) über viele Lyrikbände und Romane bis zu „Selbstbild mit russischem Klavier“, gut 30 Bücher aus vier Jahrzehnten. Vielleicht stimmt all das Launische und Mürrische, das über Wondratschek erzählt wird, ja gar nicht. Er trägt an diesem Abend eine blitzblaue Wollmütze und einen Mantel. Es ist nicht kühl, er ist es auch nicht. Im Zweifelsfall, den Wondratschek so gut wie immer ausruft, lässt er sich nicht fotografieren, er spricht schon gar nicht mit der Presse. An diesem Dienstag macht er für seinen Freund Jauernik eine Ausnahme.

Wolfgang Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.