Wiener Ermittlerduo  Eisner (Harald Krassnitzer), Fellner (Adele Neuhauser)
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Immer wieder sonntags: Geständnisse eines „Tatort“-Süchtigen

Wir müssen sehr stark sein: Die legendären Wiener und Münchner „Tatort“-Teams verlassen 2026 den TV-Krimiklassiker, an dem Sparzwänge nagen.

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Immer wieder sonntags kommen die Mörderinnen und Mörder. Es ist kurz nach 20.15 Uhr. Das Auge im flackernden Fadenkreuz, dazu Bläser und Streicher, Schlagzeug und Bass. Der „Tatort“ befördert zum Wochenendausklang Mord, Missetaten und die Macht der Gewohnheit in deutsche, österreichische und schweizerische Wohnzimmer. Ein Sonntag ist kein Sonntag ohne die seit 1970 nicht, tja, umzubringende ARD-Dauersonntagabendserie, eines der letzten linearen TV-Lagerfeuer, das so etwas wie Gemeinschaftsgefühl spendet.

„Morbus Tatort“ hat dies der deutsche Entertainer Harald Schmidt, dem einst eine Rolle in der Serie angeboten worden war, einmal genannt: „Erst große Begeisterung, und dann: Huch, jetzt muss ich’s auch noch machen!“

Huch, ich gestehe: Auch ich laboriere an Morbus T. Die reine Begeisterung für die Endlosreihe – dahin. Stattdessen: sentimentales Glotzen, zwänglerisches Horten strafbarer Handlungen à la Drehbuch. Jeden Sonntag ein sakrosankter TV-Termin, trotz allem. An diesem Sonntag wird Folge 1325 zu sehen sein. Klaus J. Behrendt als Max Ballauf und Dietmar Bär als Freddy Schenk, dessen Ehefrau seit Jahrzehnten columboesk allen Blicken entzogen ist, werden in Köln ermitteln. Selbstdiagnose: „Tatort“-Sucht.

Als ob dies nicht genug wäre, dräut Schröckliches. „2026 wird kein gewöhnliches ‚Tatort‘-Jahr, sondern eine fundamentale Bewährungsprobe für die gesamte Reihe“, blickt die Website „Tatort-Fans.de“ düster in die Zukunft: „Der ‚Tatort‘ steht an einem Scheideweg.“ Es drohen anstehende Pensionierungswellen im gehobenen TV-Polizeidienst, dazu weitere überstürzte Lebewohls. Andererseits bleibt auch der „Tatort“, der stoisch dahinstapfende Langhalsdinosaurier der Fernsehunterhaltung, von verschärften Budgetkürzungen und Sparpaketen nicht verschont.

Wolfgang Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.