Der Satiriker Fritz Jergitsch vor einem Foto, das Dean Martin, Sammy Davis Jr. und Frank Sinatra zeigt
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Satiriker Fritz Jergitsch: „Aalglatte Charaktere sind humortechnisch Gift“

Der Wiener Fritz Jergitsch leitet das Online-Satiremagazin „Die Tagespresse“. In seinem neuen Buch umkreist er die gesellschaftliche Spaltung sowie die Wut auf die Politik – und rät, den Kopf nicht in den Sand zu stecken.

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Herr Jergitsch, in welcher Form würde „Die Tagespresse“ Ihr Buch in die Mangel nehmen?

Jergitsch

Sobald ich versuche, auf Knopfdruck lustig zu sein, klappt das nur sehr selten. Am lustigsten bin ich, wenn ich vor dem Laptop meine Ruhe habe.

Ein Titel wie „Heulen hilft uns auch nicht weiter“ wäre keine Einladung, sich das Maul zu zerreißen?

Jergitsch

Das Redaktionsstatut der „Tagespresse“ lautet: Wir schreiben über alles, was man mit gutem Gewissen durch den Dreck ziehen kann. Nichts und niemand bleibt verschont. „Heulen hilft uns auch nicht weiter“ würden wir natürlich verarschen – wenn der Autor nicht zufällig der Chefredakteur der „Tagespresse“ wäre.

Sie schreiben in Ihrem Buch: „Das erste Bild, das mir beim Wort Globalisierung in den Sinn kommt, ist der giftgrüne Apfel aus Neuseeland in meinem Supermarkt.“ Daraus ließe sich satiremäßig doch etwas machen.

Jergitsch

Auf jeden Fall. Es ist absurd, dass unser Essen mehr von der Welt gesehen hat als wir selbst. Das giftgrüne Obst im Supermarkt ist eine Folge davon, wie sich Handelsströme von Grund auf verändert haben.

Haben Sie in „Heulen hilft uns auch nicht weiter“ Ihre professorale Ader entdeckt?

Jergitsch

Ich habe kurz nach Donald Trumps Wahlsieg 2024 mit dem Schreiben des Buchs begonnen. In Österreich standen damals alle Zeichen auf einen Bundeskanzler Herbert Kickl. In meinem eigenen liberal-progressiv-linken Umfeld machten sich Resignation, Ohnmacht, teils Wut breit. Dieser Gefühlslage wollte ich Konstruktives entgegensetzen. Ich hatte beim Schreiben übrigens nur kurz die Befürchtung, dass die Welt wieder bald normal werden könnte.

Wolfgang Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.