Neuer Winkler-Roman: Weltall im Hinterland
Höllenritte und Himmelfahrten, in einem Roman vereint, so heimelig aneinandergeschmiegt wie äonenweit voneinander entfernt? Ein klarer Fall für Josef Winkler, 73, einen der ganz großen Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Auf mehr als 400 Seiten entfaltet sich in „Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht“, in aller Genauigkeit und Pracht, durchfurcht von Abgründen sonder Zahl, das am Ende doch sehr erdgebundene Winkler-Weltall im Kärntnerischen Hinterland. Der Autor umkreist, kompromisslos und konsequent wie eh, auch in seinem jüngsten Roman die eigene Biografie, diesfalls mit dem Schicksal seiner Schwester Maria im Mittelpunkt, regelrecht flankiert vom „Judenmassenmörder Odilo Globočnik“, dessen Leiche nahe von Winklers Heimatdorf Kamering „dahinmodert“. Immer wieder lesenswert, wie der Schriftsteller aus seinen wiederkehrenden, mit seltener Dringlichkeit erzählten Stoffen – Land, Vater, die jugendlichen Selbstmörder Jakob und Robert, zu denen sich nun Winklers Schwester Maria gesellt – funkelnde Romangebilde schmiedet.