Mampf, mampf, die Großmutter
Splatter-Geschichte im Schnelldurchlauf: Wolf verschlingt Großmutter und Enkelin ratzeputz, samt rotem Käppchen, inklusive Vorabinformationen: „Dass ich dich besser packen kann!“ – „Dass ich dich besser fressen kann!“ Dazu erscheint in tragender Nebenrolle jener Jäger, der dem bösen Wolf den Bauch aufschlitzt, dem Oma und Enkelkind putzmunter entsteigen. Ende gut.
Mit Ausnahme des Wolfs, der eine Ladung Steine in den Bauch genäht bekommt, so gut wie alles gut. Es bedarf einiger Verve, das Märchen „Rotkäppchen“ der Brüder Grimm illustrativ und mit frischer Wortwahl neu zu erzählen, wie dies der französischen Autorin und Illustratorin Delphine Bournay in „Rotkäppchen, der Wolf und die Zeichnerin“ formidabel geglückt ist: Rotkäppchen als vorlautes Gör („Entschuldigen Sie, Frau Bournay. Könnten Sie mich bitte größer zeichnen?“), der Wolf als eitler Tölpel („Meine Güte, der Wolf! Ich mach dich gleich größer.“)
Entzückend, wie hier die allbekannte Geschichte vom Menschenverschlingen ins (auch zeichnerisch) Abstrakte überführt wird: „Da habe ich jetzt ganz viel Rot verwendet. Ihr wisst ja wohl warum, oder?“ Eben darum: „Mampf, mampf, die Großmutter.“ Alles wird gut: „Schlussszene: glückliches Zusammentreffen, Rotkäppchen, Großmutter, Kuchen.“
Delphine Bournay: Rotkäppchen, der Wolf und die Zeichnerin.
Aus dem Französischen von Alexander Potyka.
Picus. 40 S.,
EUR 18,–