Kulturpolitik: Wie die Finanzierung des Essl Museums scheiterte

Karlheinz Essl

Karlheinz Essl

Anmerkung: Dieser Artikel wurde ursprünglich in der profil-Ausgabe vom 25.3.2016 veröffentlicht. Das Essl Museum fordert hohe öffentliche Zuschüsse, um überleben zu können. Stattdessen ist eher mit der baldigen Schließung des Hauses zu rechnen.

Als der Industrielle Hans Peter Haselsteiner im Herbst 2014 die Sammlung Essl rettete, war der Jubel groß. Die Kunstkollektion drohte damals in die Hände der Gläubigerbanken von Karlheinz Essls verschuldeter, mittlerweile verkaufter Baumax-Kette zu fallen. Dies wurde abgewandt, wenn auch zum Preis von zahlreichen Verkäufen aus den Beständen. Haselsteiner bürgte für einen Kredit von rund 117 Millionen Euro, der refinanziert werden musste.

Bei all der Freude über die Bewahrung wenigstens eines Teils des Konvoluts ging eine wesentliche Frage jedoch unter: Was würde mit dem Klosterneuburger Museum geschehen, das Essl einst eigens für die Präsentation seiner Kunstsammlung errichtet hatte? In dem 1999 eröffneten Haus sah man die erste Österreich-Schau der Leipziger Schule, Stars von Alex Katz bis Neo Rauch, Präsentationen wichtiger heimischer Künstler wie Maria Lassnig und Hermann Nitsch, ebenso originelle Themenausstellungen wie die Schau "Blut & Honig. Zukunft ist am Balkan“ des legendären Kurators Harald Szeemann.

Doch mit der Baumax-Krise stürzte auch das Museum in ein Finanzloch. Jahresbudgets gab Essl nie bekannt, allerdings dürfte sich der Bedarf des privat finanzierten Hauses zwischen zwei und vier Millionen Euro pro Jahr bewegen. Bald werden diese Gelder fehlen. Daher versucht Karlheinz Essl seit geraumer Zeit, neue Geldquellen zu erschließen. Erst kürzlich beteuerte er erneut, dass es die öffentliche Hand als Sponsor brauche. Derzeit finanziere er die Kosten noch aus seiner eigenen Kassa, heißt es aus dem Museum. Der Museumsgründer selbst war für profil nicht zu erreichen.

BKA verweist auf Land Niederösterreich

Bereits im Vorjahr soll Essl mit konkreten Wunschsummen an das für Kultur zuständige Bundeskanzleramt (BKA) herangetreten sein: Mit jährlich rund einer Million Euro sollte dieses das Haus finanzieren. Dort habe man allerdings bloß auf die Museumsförderung verwiesen, aus der regionale Häuser mit traditionell geringen Summen unterstützt werden - im Vorjahr standen dafür insgesamt nur rund 2,7 Millionen Euro zur Verfügung. Auf profil-Anfrage reagiert man im BKA keineswegs angetan von der Idee, Erhalt und Betrieb des Hauses substanziell zu unterstützen. Im laufenden Budget ließen sich derart hohe Summen nicht unterbringen, und die Chance, Sondermittel aufzutreiben, tendiere gegen null, teilt eine Sprecherin mit. Außerdem sei das Land Niederösterreich am Zug.

Ebendort soll Essl den Verantwortlichen gegenüber die Idee geäußert haben, dass das Museum in die Niederösterreichische Kulturwirtschaft (NÖKU) eingegliedert werden könne, eine Holding, in der auch Häuser wie die Kunsthalle Krems oder das Museum Gugging organisiert sind. "Es gab verschiedene Überlegungen“, erklärt NÖKU-Geschäftsführer Paul Gessl; eine Beteiligung der Holding komme jedoch nicht infrage.

"Überregionale Bedeutung"

Allerdings unterbreitete das Land Niederösterreich Essl Anfang des Jahres ein Angebot: Man finanziere die Abgänge des Museums mit 50 Prozent - aber nur, wenn den Rest das Ministerium übernehme. "Das Museum hat überregionale Bedeutung. Daher ist der Bund ebenso gefordert“, spielt Hermann Dikowitsch, Leiter der Kulturabteilung Niederösterreich, den Ball zurück zum BKA. Im Umkehrschluss bedeutet das freilich: Solange das Ministerium nichts gibt, wird auch vonseiten des Landes Niederösterreich, das dem lahmenden Museum 2015 immerhin noch 450.000 Euro zuschoss, kein Geld fließen. In St. Pölten werden die Mittel freilich ohnehin knapper: Schließlich muss auch die Galerie Niederösterreich finanziert werden, die 2017 in Krems neu eröffnet wird - Bausumme: 35 Millionen Euro.

Die finanzielle Misere des Essl Museums lässt sich schon seit geraumer Zeit an dessen Programm ablesen. Die Zeit der spektakulären Projekte ist vorbei. Derzeit läuft eine Schau unter dem Titel "Rendezvous“, die - wie die kommende Ausstellung ("Body & Soul“) - komplett aus den Sammlungsbeständen bestückt ist. Für den Herbst gibt man noch kein Programm bekannt, man wolle "Laborausstellungen“ - Projekte an der Schnittstelle zu Disziplinen wie Literatur oder Musik - veranstalten. Der Mitarbeiterstand schrumpfte mittlerweile von 50 auf 43 Personen. Bereits Ende 2015 verabschiedete sich Essls langjähriger und wichtigster Kurator, Günther Oberhollenzer, ausgerechnet in Richtung Galerie Niederösterreich. Auch andere Angestellte, heißt es, planten bereits ihr Berufsleben nach dem Essl Museum.

Insider meinen schon jetzt, dass das Haus spätestens im nächsten Jahr schließen werde müsse. Tatsächlich erscheint dieses Szenario immer realistischer.