Die bösen Wahrheiten des Thomas-Bernhard-Chatbot
Thomas Bernhard (1931–1989), der Meister des Städtebeschimpfens? Der Schriftsteller konnte auch ganz anders, wie ein neu entdecktes Gedicht in der bis Februar 2027 laufenden Sonderausstellung („Dem Stumpfsinn die Geisteskappe aufsetzen“) im Literaturmuseum in der Wiener Innenstadt zeigt. Salzburg nennt er da die „Königin der Städte“, gerahmt von um das Jahr 1955 entstandenen Fotos, auf denen der junge Bernhard als Austro-James-Dean zu sehen ist.
Die Schau nähert sich dem Schriftsteller denkbar unmuseal. Neben kürzlich erworbenen Original-Typoskripten, wuchtigen Holzmöbeln aus dem Besitz des Literaten und dem Führerschein Bernhards – der Autor verdingte sich einst als Bierbrauerei-Fahrer – glänzt die Ausstellung durch ihre spielerischen Zugänge, darunter ein Städteschmäh-Quiz, Global-Bernhard-Playlisten und der mit der gesammelten Prosa gefütterte „Thomas Bernhard Chatbot“.
Auf die Frage „Warum leben wir?“ hat die Maschine hübsche Bernhard-Bosheiten parat: „Wir leben, weil wir schon gemacht worden sind, ohne gefragt worden zu sein, und dann leben wir weiter aus Gewohnheit, aus Feigheit, aus diesem erbärmlichen Festhalten am Atemholen, das wir Leben nennen, während wir in Wahrheit nur Vorsichtsmaßnahmen fürs Sterben treffen.“ Was wäre dem hinzuzufügen?