Die beiden Attwenger-Musiker Hans Peter Falkner und Markus Binder lehnen nebeneinander an einer Mauer und lächeln
Bild anzeigen
Wählen Sie profil als bevorzugte Google-Quelle

Neues Attwenger-Album "wos": Zwischn zwa Quetschn

Slangpunk mit Ansage: Attwenger machen auf ihrem zehnten Album „wos“ klar, warum sie auch im vierten Jahrzehnt ihres Bestehens stabil unvergleichlich sind. Unverzichtbar sowieso.

Drucken

Schriftgröße

Dass Männer Schweine sind, kann man natürlich mit genau diesen Worten formulieren, die Berliner Rockband „Die Ärzte“ hat es in ihrer gleichnamigen Bestsellersingle aus dem Jahr 1998 sehr massenwirksam vorgemacht. Man kann es aber auch ein bisschen unkonventioneller ausdrücken, braucht dafür aber wohl die Expertise von Attwenger. 

In dem neuen Song „Mau“ dekliniert das Duo aus Oberösterreich so ein Prachtexemplar in Gstanzlform vom Scheitel bis zur Sohle durch und stutzt den Herrn dabei aufs Witzfigurenformat zurecht: „hod a volle glotzn / braucht si dhoa ned woschn / hod a murdstrum schtian / dafia goa koa hian“ – und so weiter bis hinunter zu den „recht laungen zechn“.

Diesem hinterfotzigen Insultationsspektakel folgt auf „wos“, dem neuen Attwenger-Album, gleich noch ein zweites aufschlussreiches Stück zum Thema. In „feministische gstanzln“ wird das Auslaufmodell Mann noch einmal näher definiert („er kumt auf olles mögliche / er redt und redt und redt / dass er amoi sei pappm hoit / auf des kumt er ned“).

Attwenger sind, seit inzwischen 36 Jahren, Markus Binder und Hans Peter Falkner, „wos“ ist ihr zehntes Album (nach „most“, „pflug“, „luft“, „song“, „sun“, „dog“, „flux“, „spot“ und „drum“) und gibt uns per Titel ein gutes Stichwort: Ja mit wos haben wir es denn hier zu tun? Eine Definition von Attwenger ist möglich, aber womöglich sinnlos, weil sich Attwenger sehr prinzipiell der Einschränkung widersetzen. Attwenger ist ein stark veränderliches Ding mit erstaunlichem Wiedererkennungswert und unverkennbarem Wesenskern.

„Wenn ich gezwungen wäre, in möglichst großer Kürze wiederzugeben, was uns ausmacht“, grübelt Markus Binder im profil-Gespräch, „dann würde ich sagen: Slangpunk. Wir singen im Dialekt, das ist von Anfang an unser Ding. Und mit Punk meine ich keinen Musikstil, sondern die Art und Weise, wie wir unser Ding machen. Es geht darum, sich um nichts zu scheißen, nicht zu spekulieren und nicht mainstreamig zu werden, sondern dem eigenen Interesse zu folgen. Punk heißt: hingerotzt. Mach, wie du magst. So würde ich es in allerärgster Kürze verstehen.“

du bist do / i bin dort / du wüst weg / i wü fort

Attwenger

"du&i"

Sebastian Hofer

Sebastian Hofer

schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.