Ästhet in einer Kulissenwelt: Der Musiker Konstantin Gropper alias Get Well Soon
Der alte Zauber ist intakt: Das neue Album von Get Well Soon
Als Singer/Songwriter gehört der deutsche Multiinstrumentalist Konstantin Gropper, 44, zu den eigenwilligsten Vertretern der deutschen Indie-Rock-Szene. Seit gut 20 Jahren betreibt er, neben diversen Film-Soundtrack-Arbeiten, das Musikunternehmen Get Well Soon, das immer schon ein Projekt der bezwingenden Melodien und der großen, in orchestrale Arrangements gegossenen Gefühle war.
„Minus the Magic“ ist – für ein Pop-Album – ein ironischer Titel: Klangkunst von der Stange? Musik ohne Zauber? Mitnichten. Wo Get Well Soon draufsteht, kriegt man es zuverlässig mit unwiderstehlichen Kompositionen, mit hymnischem, von Groppers Crooner-Vocals gen Himmel geschraubtem Song-Material zu tun. Nein, der Begriff der Zaubersubtraktion bezieht sich keineswegs auf die Musik des siebenten Longplayers dieser Band – und ja, diesmal tritt tatsächlich an Groppers Seite ein Kollektiv in Szene –, sondern auf den Anflug einer Musiker-Midlife-Krise: Wie soll man sein 20-jähriges Jubiläum feiern, ohne in Wehmut und Nostalgie abzubiegen? Genau: indem man die Gitarren lauter dreht und beherzt vorwärtsdrängt.
So blickt Gropper nun nicht nur auf zwei Dekaden Pop-Karriere und die „4:3 Days“ zurück, als die Fernsehgeräte noch fast quadratisch waren, sondern ganz konkret auch ins Jahr 2014: Damals veröffentlichte er drei EPs, die (nicht nur) ihn ein wenig enttäuschten. „Minus the Magic“ ist eine Neueinspielung jener Songs, und die Aktualisierung tut ihnen gut. Gropper hat derzeit übrigens einen starken Lauf: Schon im Oktober wird mit „Séance“ ein weiteres Get-Well-Soon-Album erscheinen. Die guten Geister, die dieser Mann beschworen hat, wird er nicht mehr los.