Zwei ernst dreinblickende Musiker in einem kargen Innenraum, der eine mit der verschränkten Armen, der andere hält die offene Hand in die Kamera, als wollte er das Foto untersagen.
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Im Mäandertal: Die verrätselte Musik des schottischen Duos Boards of Canada

Wohlklang mit Tiefgang: Die stilprägenden Electronica-Enigmatiker Boards of Canada stellen sich auf ihrem ersten Album seit 13 Jahren dem Inferno der Gegenwart.

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Von den Rolling Stones bis zu Sabrina Carpenter, von Adele bis Neil Young: Die Liste der Acts, deren Songs von Trumps Truppen für Agitprop zweckentfremdet wurden, ist ebenso namhaft wie noch lange nicht vollständig. Letzte Woche gesellte sich ein unerwarteter Eintrag dazu, als Boards of Canada für ein nicht ausschließlich geschmackvolles Filmchen des Weißen Hauses herhalten mussten.

Wie ausgerechnet die eigenbrötlerischen Schotten zu jener fragwürdigen Ehre kamen, bleibt ein Rätsel. Andererseits passt kaum etwas besser zu einer Band, die den Abstieg ins Unerklärliche seit jeher zu ihrer vornehmsten Disziplin gemacht hat. Seit über drei Dekaden kreieren die Brüder Mike Sandison und Marcus Eoin aus verhatschten Hip-Hop-Beats, obskuren Vokal-Samples und psychedelisch eiernden Melodien aus dem Mäandertal eine un(be)greifbare Wachtraummusik: wehmütige Heimsuchungen eines unschuldigeren Gestern.

Dass Boards of Canada ihre solitären Soundscapes mit einem stark verästelten, symbolsatten Referenzsystem (das Hexagon!) zu einer ganz eigenen konzeptuellen Klangwelt auszubauen verstanden, nährte ihren Mythos während einer 13-jährigen Auszeit noch. Als vor wenigen Wochen erste kryptische Vorboten des neuen Studiowerks auftauchten – auf VHS-Tapes, eh klar –, setzte prompt ein Netzraunen ein, wie man es sonst nur von Pop-Großereignissen kennt.

Das durchdigitalisierte Jetzt ist indes zu dystopisch, als dass man ihr allein mit nostalgischen Analog-Beschwörungen begegnen könnte. Auf „Inferno“ richten die versierten Stimmungsingenieure ihren Blick nun folglich auf eine Welt, in der Technikgläubigkeit und religiöse Heilsversprechen immer neue Höllenkreise eröffnen – und begegnen ihr mit größerer Direktheit, gar Dringlichkeit im Klangbild. Im vertrauten BoC-Kokon pfeift einem dank sinistrer Stimmspenden wiederholt auch frostiger Wind um die Ohren.

Cover des neuen Albums der Band Boards of Canada
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Trotzdem bewahrt sich das Album Augenblicke der Zuversicht, ja der Aufrichtung. Auf dieser so ergiebigen 70-minütigen Forschungsreise durch eine Gegenwart, die zwischen Maschinenlogik und Metaphysik hasardiert, gelingt Sandison und Eoin das Kunststück, Diagnose und Trost in Musik von erheblicher Grandezza miteinander zu versöhnen. Boards of Canada mögen das Inferno gesehen haben. Sie ahnen aber auch, wie ihm zu entkommen wäre.