Der US-Schauspieler Noah Wyle in der Serie "The Pitt"
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Adrenalin extrem: Der Streaming-Gigant HBO Max ist nun auch bei uns gelandet

Während der globale Streaming-Markt sich gerade neu sortiert, startet HBO Max nun auch bei uns. Wie nachhaltig der neue Heimkino-Segen sein wird, muss sich jedoch erst weisen.

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Gut Ding braucht, so sagt man, Weile. Insofern müsste man den Start des US-Streamingdiensts HBO Max im deutschsprachigen Raum begrüßen. Kein Anbieter hat sich mehr Zeit gelassen, keiner bringt einen derart ausgezeichneten Ruf mit. Seit Ende der 1990er-Jahre beglückt der Kabel-TV-Sender HBO die Welt mit hochwertigen Eigenproduktionen: „The Sopranos“, „Sex and the City“, später „Game of Thrones“, „True Detective“ oder „Succession“ standen maßgeblich für jenes zweite goldene Zeitalter des Fernsehens, das Serien aus dem stets leicht schmuddeligen Unterhaltungsnebenfach holte.

Nachdem Netflix das Marktgeschehen zu dominieren begann, reagierte HBO 2020 spät mit einem eigenen Streaming-Dienst. Sechs Jahre später ist HBO Max auch bei uns angekommen – samt eines Archivs, das nicht nur Serien-, sondern auch Filmgeschichte bündelt (neben zahllosen Kinoklassikern alles rund um DC-Superhelden, Harry Potter und „Herr der Ringe“). Spielentscheidender als der Back-Katalog dürfte aber sein, dass kommende Serienoriginale nun nicht mehr über Lizenznehmer wie Sky oder RTL+ verwertet werden, sondern gleich direkt auf der eigenen Plattform landen.

Zum Launch-Line-up gehört etwa der jüngste „Game of Thrones“-Spin-off „A Knight of the Seven Kingdoms“, dessen ungewöhnlich leichtfüßiger Tonfall und übermütiger Humor zumindest vorerst das übliche Franchise-Übermaß an Intrigen und Grausamkeit vergessen machen. Letztere finden sich dafür in rauen Mengen in der neuen, vierten Staffel des Bankster-Sittengemäldes „Industry“, das einmal mehr in jeder Hinsicht schamlos die moralische Elastizität der Hochfinanz bloßlegt.

Als erster großer HBO-Max-Publikumsmagnet könnte sich „The Pitt“ erweisen, das Emmy-prämierte Konsens-Krankenhausdrama der letzten Saison. Die späte Premiere ist von Vorteil: Die komplette erste Staffel steht bereits bereit, in die zweite kann umgehend übergegangen werden. Jede Folge begleitet in Fast-Echtzeit eine Stunde einer einzigen, schier endlosen Schicht in einer Notaufnahme. Das bewusst stark episodisch ausgelegte Format führt das Erfolgsmodell von „ER“ in die Gegenwart eines Gesundheitssystems am Anschlag: ein oft ultraintensiver Adrenalinkick aus ungeschönt realistischen Extremsituationen, unter Dauerstress bewahrter Kompetenz wie Empathie und im Minutentakt getroffenen, potenziell lebensverändernden Entscheidungen.

So überzeugend das Debüt von HBO Max auch erscheinen mag, so ungewiss erscheint die mittelfristige Perspektive des Dienstes. Schließlich tobt seit Monaten ein Bieterstreit um den Mutterkonzern Warner Bros. Discovery. Ob Netflix oder die von dem milliardenschweren Trump-Freund Larry Ellison unterstützte Paramount Skydance Corporation den Zuschlag erhält, wird weitreichende Folgen haben – sowohl für die Kinostrategie des Legacy-Studios als auch für die Eigenständigkeit des Streaming-Angebots. Bis diese Entscheidung gefallen ist, wird es aber wohl noch eine Weile dauern (vergangene Woche schienen die Zeichen erneut pro Netflix zu stehen), die sich mit allerlei guten Dingen aus dem Katalog des endlich angekommenen Anbieters zumindest vortrefflich überbrücken lässt.