Literatur

Voll drauf: Michel Foucaults Wüsten-LSD-Trip

Endlich auf Deutsch: der bizarre Bericht des Wüsten-LSD-Trips, den sich der französische Starphilosoph Michel Foucault einst gegönnt hat.

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Fast klingt es zu schön, um wahr zu sein: Der Franzose Michel Foucault (1926-1984), seit den 1970er-Jahren ein Weltstar unter den Philosophen, macht mit einem jungen, schwulen Dozenten und dessen Partner einen Ausflug ins amerikanische Death Valley, um sich dort einem LSD-Trip auszusetzen. Als eine der wichtigsten Erfahrungen seines Lebens soll Foucault jenen halluzinogenen Abend in der Wüste bezeichnet haben.

Der amerikanischen Autorin Heather Dundas schien diese Anekdote zunächst völlig absurd, wie sie im Vorwort zu dem Buch "Foucault in Kalifornien" schreibt, das bereits 2019 für Aufsehen sorgte und nun endlich auf Deutsch vorliegt. Dundas erzählt in der Einleitung die fantastische Geschichte, wie sie den inzwischen in die Jahre gekommenen Dozenten namens Simeon Wade kennenlernt, der den Drogentrip 1975 für Foucault inszeniert hatte. Er zeigt ihr ein Manuskript, in dem er seine Tage mit Foucault ausführlich beschreibt; bisher hätte sich kein Verlag an die Sache herangewagt, ergänzt er. "Foucault in Kalifornien" ist dieses Manuskript, erzählt aus der Perspektive Wades, eines Uni-Groupies, das den Starphilosophen zutiefst verehrt.

Das Buch ist tatsächlich ein unfassbarer Schatz. Es strotzt zwar vor Bildungshuberei, ist darin mitunter unfreiwillig komisch: Ständig will Wade diskutieren, bis es sogar Foucault zu mühsam wird; während des LSD-Trips beschallen sie die Wüste mit Strauss-Liedern, interpretiert von Elisabeth Schwarzkopf. Wade flirtet aber auch unverfroren mit seinem Gast: "Ich sagte ihm, dass er aussehe wie das Kind von Kojak und Elton John. Er war entzückt." Der schmale Band gibt nicht nur Einblicke in Foucaults Denken, er ist auch ein Zeugnis von schwulem Selbstverständnis aus jener Ära. Sehr entspannt wird da über Sexualität geredet ("Masturbierst du?" – "Natürlich", sagte Foucault, ohne zu zögern.)

Manches stößt aber auch bitter auf: Seit 2021 gibt es Vorwürfe, Foucault habe in Tunesien Buben ab acht Jahren für sexuelle Dienste gekauft. In "Foucault in Kalifornien" sagt der Philosoph unter anderem, französische Jungs seien ihm zu eitel. Die Boys in Brasilien wären zugänglicher. Warum? "Vielleicht, weil so viele von ihnen arm sind."