<i><small>Michael Nikbakhsh</small></i>
Bitte kein Bit!

<i><small>Michael Nikbakhsh</small></i>
Bitte kein Bit!

Jetzt hat auch das Bitcoin-System seinen ersten großen Sündenfall.

Ein desperater junger Mann auf offener Straße. Er hält ein Schild in Händen. Darauf zu lesen: „Where is our money?“ So geschehen in Tokio Ende vergangener Woche, das Bild ging um die Welt. Und die bange Frage richtete sich mitnichten an eine Geschäftsbank, eine Vermögensverwaltung, einen Investmentfonds. Jetzt hat auch das Bitcoin-System seinen ersten großen Sündenfall. Ausgerechnet. MtGox, einer der weltweit größten Umschlagplätze für die digitale Währung, ist bankrott. Von Diebstahl ist die Rede und davon, dass der Handelsplattform hunderttausende Bitcoins im Gegenwert von hunderten Millionen Dollar abhanden gekommen sein sollen. Den Schaden haben die Kunden von MtGox, die auf Depots Bitcoins eingelagert hatten. Die ursprüngliche Idee war ja irgendwie romantisch: Ein von Regierungen, Zentral- und Kommerzbanken unabhängiger Zahlungsverkehr; abgewickelt in einer digitalen Währung, die ausschließlich von jenen geschöpft wird, die Teil dieses Systems sind. Die Realität war nur leider profaner: Die Währung vollzog in den vergangenen Jahren irrwitzige, weil spekulationsgetriebene Kurssprünge, wurde bisweilen auch dazu verwendet, um online und weitgehend anonymisiert Waffen, Drogen oder sonstwas zu handeln und entzog sich dabei konsequenterweise jeder Art von Aufsicht. Und wie sich am Beispiel MtGox eindrucksvoll zeigt: Die digitale Bitcoin-Welt ist um nichts besser als die reale. Ein System ist eben immer nur so gut, wie die Menschen, die es gestalten.

michael.nikbakhsh@profil.at