<i><small>Michael Nikbakhsh</small></i>
FPÖ-Finanzpolitik: Zum Fürchten

<i><small>Michael Nikbakhsh</small></i>
FPÖ-Finanzpolitik: Zum Fürchten

Die FPÖ-Finanzpolitik richtet sich ja gegen irgendwie alles. Wie soll der FPÖ-Wähler da noch vernünftig Geld anlegen?

Der FPÖ-Wähler ist - geschlechtsneutral formuliert - ein angsterfüllter Mensch. Er oder sie - also insgesamt 962.000 von ihnen - haben bei der Nationalratswahl 2013 einer politischen Bewegung das Vertrauen geschenkt, die den Beistrich in der Hose gleichsam zur Parteilinie erhoben hat. Angst vor dem Euro, vor der Bankenlobby, vor dem Spekulanten, vorzugsweise dem von der Ostküste, dem Migranten im Allgemeinen, dem Asylwerber im Besonderen. Angst vor dem freien Markt, der Verdrängung vom Arbeitsmarkt, der Überfremdung, dem Kopftuch.

Nun ist es ja so, dass auch der angsterfüllte FPÖ-Wähler in die Verlegenheit kommen könnte, Vermögen - erarbeitet, ererbt, erschlichen oder ergaunert - zu veranlagen. Das erscheint umso herausfordernder, als Angst ein denkbar schlechter Berater in Geldangelegenheiten ist. Die FPÖ ist da nun wirklich keine Hilfe. Herr Strache und Kollegen sind zwar in finanzpolitischen Fragen gegen irgendwie alles - aber mit konstruktiven oder gar realisierbaren Vorschlägen haben sie es nicht so.

Wie soll der FPÖ-Wähler da noch vernünftig Geld anlegen? Nämliches auf die Bank tragen und zum Beispiel ein Sparbuch eröffnen? Hm. Der FPÖ-Wähler hat eine Partei gewählt, die Banker bekanntlich unter Generalverdacht stellt. Zocker, Bonikaiser, überhaupt: Gesindel. Ist nicht lange her, da war auf Straches Facebook-Seite eine antisemitische Karikatur zu sehen: Jüdischer Bankier schlägt sich auf Kosten "des Volkes“ den Bauch voll.

Und ausgerechnet solchen Leuten soll der FPÖ-Wähler Geld anvertrauen? Nein, also wirklich.

Aktien vielleicht? Das riecht an sich schon nach Spekulation - und Spekulation geht erst recht nicht an. Schließlich hat der FPÖ-Wähler ja eine Partei gewählt, die durchden Wahlkampf mit Botschaften wie "Wir helfen zuerst im eigenen Land - Rot-Schwarz hilft Bank & Spekulant“ holperte.

Staatsanleihen? Jein. Also mit Sicherheit keine griechischen, irischen oder portugiesischen. Schließlich hat der FPÖ-Wähler ja eine Partei gewählt, die dem "Ausplündern der Österreicher für Pleitestaaten“ ein Ende setzen will.

Und überhaupt: In welcher Währung soll man veranlagen? In Euro? Welchem Euro? Achja, jene Gemeinschaftswährung, von der Herr Strache fortgesetzt meint, sie sei "gescheitert“. So blöd ist nicht einmal der FPÖ-Wähler, dass er sein Geld in ein gescheitertes Projekt investiert. Dollar? Yen? Schweizer Franken? Renminbi? Integrationsunwillige Ausländer. Noch Fragen?

Daheim ist es ohnehin am schönsten. Das hat die "Heimatpartei“ längst erkannt. Und Österreichs Bonität ist ja - erstaunlich genug - immer noch Triple-A, also jedenfalls beinahe. Genau deshalb hat der FPÖ-Wähler ja eine Partei gewählt, welche die Richtung trotzig vorgibt: Vorwärts in die Vergangenheit nämlich, präziser: "Raus aus dem Euro-ESM-Diktat!“ und rein in die "Volksabstimmung zur Schilling-Wiedereinführung!“

Schilling-Volksanleihen 2.0, quasi. Bleibt zwar die hartnäckig unbeantwortete Frage, wer außer Ewiggestrigen diese eigentlich kaufen soll und zu welchen Konditionen. Aber blaue Finanzpolitik ist nun einmal keine Raketenwissenschaft.

Viele Alternativen lässt die FPÖ ihrer Klientel ja nicht. Grund und Boden, schön und gut - aber Achtung, auch hier läuft man schnell Gefahr, die Punze des "Immo-Spekulanten“ verpasst zu bekommen. Gold! Ja, das gefiele sogar dem gelernten Zahntechniker H. C. Strache. Doch auch da glänzt nicht alles. Der Philharmoniker zum Beispiel. Der wird von der Münze Österreich geprägt, und die gehört der Nationalbank, und die nennt Strache gerne auch "Sumpf der Korruption“.

Politisch korrekte Geldanlage im Sinne der FPÖ-Dok-trin? Angsteinflößend, fürwahr.

Für all jene, die das "Raus-aus-Euro“-Gejodel als das begreifen, was es ist - Gejodel nämlich -, hat ein Team um meine Kollegin Michaela Ernst das vorliegende "Geld Ex-tra“ komponiert. Kritisch, fundiert, unterhaltsam - im Großen wie im Kleinen.

Heike Wipperfürth berichtet aus den USA über die soeben ernannte Nachfolgerin von Ben Bernanke an der Spitze des US-Zentralbanksystems Fed, mithin der einflussreichste Bankerjob der Welt. Was kann Janet Yellen? Und was bedeutet das für die Geldpolitik der Vereinigten Staaten und darüber hinaus? Ruth Reitmeier geht einer Fehlentwicklung des Kapitalismus auf den Grund: die immer eklatanteren Einkommensunterschiede in unserer Gesellschaft. Und Georges Desrues zeigt, dass Anlageziele wie Nachhaltigkeit und Ertrag nicht notwendigerweise in Widerspruch zueinander stehen müssen. In der Schweiz kann man jetzt direkt in Kühe investieren.

michael.nikbakhsh@profil.at