Michael Nikbakhsh: Weihnachtswundern

Michael Nikbakhsh: Weihnachtswundern

Soll, darf man Kindern Aktien schenken? Nicht, dass ich mir die Frage je ernsthaft gestellt hätte.

Geht es aber nach der deutschen Tageszeitung "Die Welt“, dann könnten Aktien, ich darf zitieren, "ein perfektes Geschenk von Großeltern für ihre Enkel sein“. Vor wenigen Tagen verstieg die Zeitung sich in einem ausführlichen Artikel zu der Feststellung, dass "Kinder die besseren Börsianer“ seien, zumal sie nicht "täglich nach den Kursen“ schauten. "Aktien sind daher ein sehr sinnvolles Weihnachtspräsent“.


Aktien, Wertpapiere generell, sind und bleiben riskante Investments, Kapitalmärkte für unkundige Privatanleger ein brandgefährliches Terrain.

Untermauert wurde der Geschenktipp mit wohlmeinenden Aussagen von Vermögensverwaltern und Bankern, die von Berufs wegen ein gesteigertes Interesse daran haben, Wertpapiere gegen Provision zu verticken (was so erstaunlicherweise unerwähnt blieb). Dafür durften die Leser lernen, wie man zum Beispiel ein Aktiendepot eröffnet. Autsch. Wer nicht weiß, wie man ein solches Depot anlegt, hat sich a) noch nie damit beschäftigt, weil es b) wohl nicht wirklich interessiert, was zwar c) keine Schande ist, umgekehrt aber d) die Frage aufwirft, ob nicht ein Büchergutschein das tauglichere Geschenk wäre.

Aktien, Wertpapiere generell, sind und bleiben riskante Investments, Kapitalmärkte für unkundige Privatanleger ein brandgefährliches Terrain. Ganz abgesehen davon, dass die Administration eines Wertpapierdepots schnell einmal ins Geld gehen kann. Gut gemeint ist nicht notwendigerweise gut gemacht. Unter einem "perfekten Weihnachtsgeschenk“ für ein Kind stelle ich mir dann doch etwas anderes vor. Das Christkind bringt meiner Tochter heuer übrigens ein Puppenhaus.