Michael Nikbakhsh: OMV-Dividende - Muss das sein?

Michael Nikbakhsh: OMV-Dividende - Muss das sein?

Eines muss man Rainer Seele zugestehen. Für einen Mann in seiner Position drückt er sich überraschend klar aus.

Vergangene Woche veröffentlichte Österreichs größter Industriekonzern OMV die Ergebnisse 2015. Der Umsatz: um mehr als ein Drittel auf 22,5 Milliarden Euro gefallen. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT): minus zwei Milliarden Euro nach plus 970 Millionen 2014. "Die OMV ist in ihrer jetzigen Verfassung kein Erfolgsmodell“, sagte Seele, seit 1. Juli 2015 Vorstandschef der börsennotierten OMV AG. Oder (mit Blick auf die schwindenden Öl- und Gasreserven): "Das ist der schleichende Niedergang eines Unternehmens im Öl- und Gasgeschäft.“ Aber auch: "Wir geben zu viel aus.“ Und: "Wir leben seit Jahren über unsere Verhältnisse.“


Die OMV kiefelt besonders an norwegischen Ölfeldern, die unter Seeles Vorgänger Gerhard Roiss erschlossen wurden.

Das klingt besorgniserregend - und ist es auch. Zwischen 2010 und 2014 schüttete die OMV in Summe rund zwei Milliarden Euro an Dividenden aus - größte Einzelaktionäre sind die Republik Österreich mit 31,5 Prozent und das Emirat Abu Dhabi mit 24,9 Prozent, die auch ein Syndikat bilden. Mangels adäquater Erträge mussten dafür Schulden gemacht werden. Und dies noch bevor der Verfall der Rohölpreise die Division "Upstream“ (Exploration und Produktion von Öl und Gas) tief in die Verlustzone drückte. Die OMV kiefelt dabei besonders an norwegischen Ölfeldern, die unter Seeles Vorgänger Gerhard Roiss erschlossen wurden. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch Seele als Chef des deutschen Wintershall-Konzerns dessen Expansion nach Norwegen betrieben hatte. Mittlerweile liegt sein Fokus auf Russland.


Nicht ganz ein Drittel der Summe, also rund 103 Millionen Euro, wird - ein Beschluss der Hauptversammlung vorausgesetzt - die Staatsholding ÖBIB, vormals ÖIAG, vereinnahmen.

So öffentlichkeitswirksam Seele Roiss neuerdings abwatscht (was Roiss unkommentiert stehen lässt), so konsequent scheint er einen Fehler zu perpetuieren. Die OMV will ungeachtet der Probleme für 2015 eine, wenn auch gekürzte, Dividende (ein Euro nach 1,25 Euro für 2014) auszahlen. Das wären immerhin 326 Millionen Euro. Warum wird diese zugunsten der Reservenstärkung nicht gänzlich gestrichen? "Unsere Investoren sind ein gewisses Dividendenniveau gewöhnt“, erklärt OMV-Sprecher Robert Lechner. "Daher kann man sie nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen.“ Die Adjustierung der Dividende sei ohnehin ein Signal. Nicht ganz ein Drittel der Summe, also rund 103 Millionen Euro, wird - ein Beschluss der Hauptversammlung vorausgesetzt - die Staatsholding ÖBIB, vormals ÖIAG, vereinnahmen. "Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich bei der OMV um eine Ölaktie handelt. Und für Ölaktien ist Stabilität in der Dividendenpolitik wichtig“, so ÖBIB-Generalsekretärin Martha Oberndorfer. Abgesehen davon sei die Ausschüttung "im Interesse der Steuerzahler“.

Über die Höhe der Bonifikationen des Managements für das Jahr 2015 hat der Aufsichtsrat übrigens noch nicht entschieden.