Donald Trump und der Sport
1. Fassen wir zusammen: Donald Trump verkündete in einem Interview, dass er keine Ahnung habe, was eine rote Karte ist, sich aber beim Fußball auskenne. Deshalb habe er seinen Kumpel Gianni Infantino – den Präsidenten der FIFA – angerufen, dass die Foulsperre für einen Spieler der USA rückgängig zu machen sei. Das ist Fakt.
2. Tatsachen sind ferner, dass a) die Sperre aufgehoben wurde. Dabei wurden b) 17 von 18 Mitgliedern der FIFA-Disziplinarkommission nicht einbezogen. Stattdessen verfügte das c) im Alleingang Mohammed al Kamali, der 2025 auf einem Kongress unter Vorsitz von Infantino selber Vorsitzender besagter Kommission wurde. Die FIFA begründete den Entscheid d) mit „außergewöhnlichen Umständen“, ohne diese näher zu erklären.
3. Schon die Auslosung der WM-Gruppenphase war von Las Vegas nach Washington D.C. verlegt worden, weil Trump das so wollte. Sie fand dann im Kennedy Center statt, das man in Trump-Kennedy Center umbenannt hatte. Kriegsherr Trump, der den Friedensnobelpreis wollte, bekam ebenda von Infantino einen vorher unbekannten FIFA-Friedenspreis. Kein Mensch hat je die behaupteten Kriterien dafür gesehen. Niemand kennt irgendwen, der einen kennt, der in der angeblichen Preisjury saß. Die Medaille der Ehrung hängte sich Trump gleich selber um.
4. Besagter Trump ist ein unsportlicher Wiederholungstäter. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Politiker mittels Präsenz bei Sportveranstaltungen um Aufmerksamkeit heischen. Doch würden Bundeskanzler Christian Stocker oder Sportminister Andreas Babler verkünden, wer in der Nationalmannschaft zu spielen oder aber das Land zu verlassen habe? Oder dass die Sportart Fußball umzubenennen wäre? Oder welchen Namen ein Verein zu tragen hat?
5. Natürlich nicht. All das tat der unselige Trump beim American Football. Sportler, die aus Protest gegen den Rassismus bei der Nationalhymne niederknieten, statt strammzustehen, hätten nicht zu spielen und müssten des Landes verwiesen werden. Die nationale Football-Liga (NFL) solle ihren Sport mit dem ovalen Ballei gefälligst umbenennen, weil künftig das runde „Soccer“ so zu heißen habe. Der Washingtoner Klub müsse weiterhin „Rothäute“ heißen. Im Gegenzug habe dessen Stadion Trumps Namen zu tragen.
6. Übrigens versuchte Trump in den 1980er-Jahren erfolglos, mit den New Jersey Generals in der Liga „USFL“ eine Konkurrenz zur NFL aufzubauen. Trumps Liga ging pleite. Beim Golf befürwortete Trump die Abspaltung eines Golfverbandes (LIV) vom anderen (PGA). Danach kündigte er an, die rivalisierenden Golftouren in den USA und Saudi-Arabien „binnen 15 Minuten zu einen“. Was bis heute nicht geschehen ist.
Eine Gemeinsamkeit Trumps mit Nordkoreas verstorbenem Diktator Kim Jong-il liegt auf der Hand. Dieser soll beim ersten Golfversuch ein Hole-in-one direkt ins Ziel geschlagen haben.
7. Eine Gemeinsamkeit Trumps mit Nordkoreas verstorbenem Diktator Kim Jong-il liegt auf der Hand. Dieser soll beim ersten Golfversuch ein Hole-in-one direkt ins Ziel geschlagen haben. Dann habe er auf einer 18-Loch-Runde gleich elf solche Traumschläge geschafft. Sagt die nordkoreanische Presse. Trump ist vergleichsweise Anfänger: Er versenkte den Golfball bloß ein Mal fiktiv mit einem Schlag und schlug dafür andeutungsweise die versammelte Weltelite der Golfer. Propagandistisch verkündet haben das seine Parteifreunde.
8. Regelmäßig zu sehen ist Trump bei den „Daytona 500“ & Co. Da fahren die Tourenautos der NASCAR-Serie im Kreis, zu welcher er eine enge geschäftliche und politische Beziehung hat. Die Rennserie ist traditionell konservativ und mit weißen Fahrern besetzt, die Zuschauer sind Trumps treueste Fangemeinde.
9. Immerhin war Trump für 91 Sekunden ein erfolgreicher Boxveranstalter. So kurz dauerte 1988 der Kampf zwischen den bis dahin ungeschlagenen Boxern Mike Tyson und Michael Spinks. Nun veranstaltet der Präsident auf dem Südrasen des Weißen Hauses Käfigkämpfe. Mit dem Verband der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer UFC ist er eng verbunden.
10. Zugleich inszeniert sich Trump mit seinen 80 Jahren selbst als „Fighter“ und sieht die ungestümen Schläger als Verbündete sowie deren Anhänger als staatstragende Basis. Wir können nur hoffen, dass Trump als Präsident nicht in naher Zukunft den Schießsport entdeckt. Was er aber leider, im Land mit der vermeintlich stärksten Armee der Welt, wohl ohnehin längst getan hat.