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Peter Filzmaiers Sportprognosen für 2026: Ladies first

Alles Fußball oder was? Es gibt im heurigen Sportjahr mehr als weltmeisterlich balltretende Männer. Ich wage eine Prognose, wer aller sonst noch was gewinnen wird.

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1. Eileen Gu. Alysa Liu. Chloe Kim. Wetten, dass diese drei bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo viele Goldmedaillen gewinnen werden? Freestyle-Skifahrerin Gu aus San Francisco startet als Pinyin Gŭ Àilíng für China und verdient 23 Millionen Dollar im Jahr. Die 20-jährige Liu gilt als Favoritin im Eiskunstlauf, weil erste Vierfachspringerin. Klimaaktivistin Kim, wie Liu für die USA antretend, ist auf dem Snowboard in der Halfpipe unschlagbar.

2. Lilli Tagger. Der Anteil Österreichs in dieser Aufzählung hat hingegen nichts mit Schnee zu tun. Die 17-jährige Lienzerin, Nummer 159 der Tennisweltrangliste, ist in ihrem Jahrgang Zweitbeste der Welt, Top 10 bei den „U 20“, und wurde ohne Satzverlust Juniorensiegerin der French Open. Tagger hat ein komplettes Schlagrepertoire und wird um Turniersiege spielen.

Wer in Hinkunft nach zwei Stadionrunden mit Femke Bol auf die Zielgerade kommt, tut mir jetzt schon leid.

3. Pauline Ferrand-Prévot. Sie fährt mit dem Rad Straßenrennen, Mountainbike, Cyclocross und Gravel als Querfeldein über lange Distanzen. Bisher holte Ferrand-Prévot 15 WM-Titel. 2024 kam ein Olympiasieg dazu. 2025 wechselte sie vom vergoldeten Mountainbike aufs Rennrad, um die Tour de France Femmes zu gewinnen. Gesagt, getan. 2026 kämpft die Französin in Montreal um den ihr fehlenden Straßen-WM-Titel.

4. Femke Bol. Obwohl es bei den Männern einen Marathon-Weltrekord geben kann – von Jacob Kiplimo oder Sabastian Sawe –, schauen Lauffreaks auf die 25-jährige Niederländerin. Frau Bol, zweitbeste 400-Meter-Hürden-Läuferin der Welt, wechselt auf die flache 800-Meter-Strecke. Berühmt wurde Bol als Schlussläuferin von 4-mal-400-Meter-Staffeln. Sie kam mit Riesenrückstand von nirgendwo, um Gold zu holen. Wer in Hinkunft nach zwei Stadionrunden mit Bol auf die Zielgerade kommt, tut mir jetzt schon leid.

5. Sarah Sjöström. 2026 ist im Schwimmen ein Übergangsjahr. Nichts gegen Europameisterschaften, doch da fehlen die Allerbesten der Welt. Ich fühle zugleich Leere, weil Australiens Ariarne Titmus zurücktrat. Sie machte US-Altstar Katie Ledecky und Kanadas Jungstar Summer McIntosh über 400 Meter Freistil jedes Mal nass. Noch bekannter wurde ihr kameragerecht ausflippender Trainer. Aber vielleicht kommt Schwedens Sjöström zurück. Sie pausiert mit 33 Jahren nach drei Olympia- und 14 WM-Siegen, um es der Jugend später wieder zu zeigen.

Abbi Pulling, Chloe Chong, Alba Larsen. Sie haben wie ich keine Idee, wer das ist? Die künstliche Intelligenz spuckt die Namen als Weltklasse-Motorsportlerinnen aus. 

6. Caitlin Clark. Hoffentlich spielt sie bei der Berliner Basketball-WM, wenn ihr Oberschenkel heilt. Clark holte nach drei Monaten in der Profiliga in einem Spiel 25 Punkte – davon fünf „Dreier“ –, zehn Assists, je fünf Rebounds und Steals, drei Blocks. Das schaffte niemand im US-Profi-Basketball. Auch nicht Michael Jordan oder andere Männer. Clarks Leistung entspricht fußballerisch einem Hattrick mit Weitschüssen ins Kreuzeck, drei aufgelegten und dreimal auf der Linie verhinderten Toren.

7. „Vicky“ López. Apropos Fußball. Dass der FC Barcelona Meisterschaft und Champions League gewinnt, da will ich meine blau-dunkelrote Fanbrille nicht ablegen. Der 2026 ersehnte Triumph meines Barça meint aber nur in zweiter Linie Lamine Yamal & Co. Obwohl oder gerade weil Weltfußballerin Aitana Bonmatí verletzt ist, kann Teenager López auftrumpfen.

8. Abbi Pulling, Chloe Chong, Alba Larsen. Sie haben wie ich keine Idee, wer das ist? Die künstliche Intelligenz spuckt die Namen als Weltklasse-Motorsportlerinnen aus. Sie fahren in der 2023 gegründeten „F1 Academy“, einer Rennserie für Frauen. Doch bleiben Autorennen wohl eine Männerdomäne.

9. 13 Frauen. Ich habe null Männer genannt. Mit Absicht. Zwar gab es bei Olympia zuletzt gleich viele Starter:innen beider Geschlechter. Formal – als Preisgeld, nicht von Sponsoren – wird in vier Fünfteln der Sportarten dasselbe bezahlt. Dennoch drehen sich 80 Prozent der Medienberichte um Männer, mehrheitlich von männlichen Journalisten verfasst.

10. Postskriptum. Meine Sporttipps sind manchmal geschlechtsneutral so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil stimmt. Na und? Im Vorjahr prophezeite die ARD-Sportschau, dass Lewis Hamilton im Ferrari Formel- 1-Weltmeister wird. Der war ein Mann und so chancenlos, dass ich kaum schlimmer danebenliege.

Peter Filzmaier

Peter Filzmaier

ist Politikwissenschafter … und Sportfan! Seine Doktorarbeit verfasste er zu den politischen Aspekten der Olympischen Spiele, außerdem schrieb er mehrere Sportbücher, gestaltete einen Sport-Podcast und betreibt das Sportblog atemlos.at