Rainer Nikowitz

© Udo Titz

Satire von Rainer Nikowitz
09/11/2021

Augen zu und – durch?

Die neuen Corona-Regeln sind von einer derartigen Klarheit, dass bald jeder jemand kennen wird, der sie auch versteht.

von Rainer Nikowitz

Jetzt hat also die Regierung ihren Plan zur Bekämpfung der vierten Corona-Welle nach allen Regeln der Kunst kommuniziert – und schon wieder ist keiner so recht zufrieden. Die Virologen, Komplexitätsforscher und Zahlentüftler beklagen, dass das alles unter „too little, too late“ falle, es kommen Vergleiche wie, dass man mit 200 km/h auf eine Wand zufahre und darüber diskutiere, ob man fünf oder zehn Meter davor zu bremsen anfangen solle. Und in der Bevölkerung scheint sich eine gewisse Ratlosigkeit breitzumachen. Zuerst war es ja ein Fünf-Punkte-Plan, den der Kanzler mutig vorpreschend in Aussicht stellte, dann wurden es doch eher mehr drei Punkte – und dann einer in Stufen. Das führt dazu, dass kaum jemand unfallfrei beantworten kann, was wann wo und unter welchen Umständen gelten soll. Dabei ist das doch gar nicht so schwer! Und ein bissl Mitarbeit kann man jetzt, wo die Pandemie ja in erster Linie Privatsache werden soll, schon auch erwarten. Aber wir wollen nicht so sein. Und deshalb gibt es hier für alle, die bis jetzt unaufmerksam waren, noch einmal eine total stringente Zusammenfassung aller Maßnahmen.

Prinzipiell gilt ja weiterhin die 3G-Regel, sofern nicht mit genügend Vorlaufzeit – also zum Beispiel in der Früh im Ö3-Wecker – etwas anderes verlautbart wird. Und dies bleibt zumindest bis zum Ski-Saisonstart so. Dann gelten nämlich in den Seilbahnen, die ja quasi exterritoriale Gebiete sind, gar keine Regeln mehr. Weil sich Obergondoliere Franz Hörl solche nicht vorstellen mag, wie er bereits zu Protokoll gegeben hat. Schließlich wäre seine Branche ja auch die einzig betroffene. Und ist – auch das muss leider immer wieder aufs Neue betont werden, obwohl es doch nun wirklich längst alle wissen könnten – sowieso die ärmste weltweit. Also muss es hier einfach eine Ausnahmeregelung geben. Das ist aber auch schon die einzige. Denn ansonsten gilt natürlich 
2G. Also, in der Nachtgastronomie. Und in der normalen auch, aber nur, wenn die Auslastung der Intensivbetten bei 25 Prozent liegt – da muss man halt vor dem Abendessen kurz einmal die Datenlage kontrollieren. Darunter, zwischen 20 und 25 Prozent, gilt eine Einschleifregelung, dann muss man nämlich nur zwischen 21.00 und 24.00 Uhr genesen oder geimpft sein. Wenn man wenigstens eine von zwei Impfungen mit Pfizer hatte, verlängert sich dieser Zeitraum bis 1.30 Uhr früh – aber nur, wenn man eine Maske trägt. Eine normale reicht diesfalls – außer, wenn man aufs Klo geht, dann braucht man selbstverständlich eine FFP2. Aber zum Ausgleich für diese Maßnahme, die manche schon als sehr hart empfinden werden, darf die Maske wenigstens unter der Nase getragen werden, damit sollten dann hoffentlich wieder alle zufrieden sein.  Überhaupt, die Maske: An sich soll sie natürlich wieder in allen Innenräumen getragen werden. Aber nicht bei Südwind. Und nicht im Handel, außer zu Zeiten, in denen erfahrungsgemäß viele ältere, also gefährdete Personen unterwegs sind – also bei Früh- und Abendstau vor der Kassa. Und auch in der Schule gilt die Maskenpflicht nur, wenn an diesem Tag kein Test ist (Lernfächer gelten auch) und die Lehrperson geimpft. Falls sie das  nicht ist, reicht es ja bekanntlich, wenn sie einmal in der Woche getestet wird. So großzügig können wir bei anderen Berufsgruppen aber leider nicht sein, in Autowaschanlagen und Braunkohlekraftwerken wird die Gültigkeitsdauer eines Antigen-Tests auf 18 Stunden und 42 Minuten verkürzt. PCR gilt auch hier noch länger, da haben es die Autowäscher deutlich besser als die Eremiten. Und Letztere müssen ihre Tests auch noch selbst bezahlen! 

Das alles gilt aber natürlich nur, wenn nicht 1G zum Tragen kommt. Und das ist wiederum klarerweise vor allem abhängig davon, ob der Mond abnimmt oder zunimmt. Und natürlich vom Biorhythmus des Kontrollors – wie jetzt eh auch schon, die meisten sind ja schon etwas coronamüde und wollen den ganzen Schas begreiflicherweise nicht mehr sehen. Neu hingegen ist auch hier der Blick auf die Intensivstationen. Und dort wird man penibel darauf achten, dann steuernd einzugreifen, wenn es nach übereinstimmender Aussage von mindestens vier Experten – von denen wenigstens einer von Servus TV entsandt wird – schon zu spät dafür ist. Allerdings auch nur dann, wenn nicht gerade eine Landtagswahl ansteht, man also zukünftige Cluster-Gfraster noch bauchpinseln muss. Aber da sieht es ja nach Oberösterreich zum Glück ganz hervorragend aus, auch das natürlich ein Zeichen dafür, dass hier wieder einmal rein gar nichts dem Zufall überlassen wird. Wie ja ohnehin noch nie, seit wir uns mit der Pandemie herumschlagen. Außer vielleicht letzten Sommer. Aber der heurige beweist ja: Wenigstens sind wir gescheiter geworden! 

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