Liebesentzug
Schellhorn: Siebenkommaneun plus siebzehnkommasechs … Des maaacht fünfazwanzgkommafünfe … Und dann no plus neunzehnkomma …
Babler: Kannst bitte endlich damit aufhören, dass du beim Surfen ständig unsere neuesten Umfragedaten suachst – und sie dann laut zsammrechnest? Des nervt!
Schellhorn: Tschuldigung. Is eine Angewohnheit aus meinen Tagen als Social-Media-Koch. Ich bin süchtig nach Likes.
Babler: Und des geht net leise a?
Schellhorn: Uh. Bei mir? Schwierig.
Babler: Außerdem bist bei unsere Umfragen ja eh völlig falsch, wennst nach Zuneigung suchst. De schauen ja mehr aus wie a Countdown.
Schellhorn: Nein! Im Moment san sie auf stabilem Niveau!
Stocker: Seit wann? Gestern?
Bauer: So oft, wie er nachschaut: seit ana Stund.
Schellhorn: Stimmt net! I war vor einer halben Stund am Klo. Da habt’s mi net gsehen.
Babler: Außerdem is „stabiles Niveau“ leider ziemlich relativ. Des hat a Limbo-Lattn a.
Meinl-Reisinger: Und seit i in der Karibik einmal unter einer durchmüssen hab, weiß i: Da geht wirklich net viel drunter.
Marterbauer: In der Karibik? Interessant! War des auf ana Dienstreise? Und da glaub i immer, i hab an harten Job.
Meinl-Reisinger: Lustig! Paul McCartney tät jetzt sagen: Let it be.
Stocker: Jetzt tut’s euch nix an wegen den Umfragen. Es war doch klar, dass alle angfressen sein werden. Für die einen sparen wir zu wenig, für die anderen zu viel. Und weil die meisten irgendwie betroffen san: für alle am falschen Platz.
Schellhorn: Aber es stimmt scho: Wir ham miteinander nur mehr 45 Prozent. Viele solche Budgets kömma uns nimmer leisten.
Marterbauer: Drum hamma ja gleich a doppeltes gmacht. Da kommen die schlechten Nachrichten gleich nur mehr halb so oft.
Babler: Wobei: Wenn man auf die Stimmen der Vernunft gehört hätte und mehr einnahmenseitig gespart hätte, dann wären ja jetzt gar net alle angfressen.
Bauer: Bis auf de, de de Party zahlen. Aber de braucht’s ihr Sozi ja immer.
Babler: Gute Frau: „Koste es, was es wolle!“ Waren des damals vielleicht wir?
Stocker: Ihr habt’s nur des Glück ghabt, dass ihr damals in Opposition wart’s. Weil euch hätt ich sehen wollen. Grad ihr hättet’s gspart während Corona. Na sicher. Weil ihr des ja scho sonst so gern tut’s.
Meinl-Reisinger: Bitte, net scho wieder! Die Budgetverhandlungen waren zach genug, de brauch ma net noch amal eröffnen.
Babler: 45 Prozent … Kumman de Kummerln nach der Umfrage eigentlich eine?
Bauer: Komisch. I hab ja des Gfühl, sie san eh scho drin.
Babler: Vom Gesichtspunkt des ruralen Nationalkonservativismus aus betrachtet, ist natürlich bald amoi wer Kommunist. Und du bist ja mehr als Rechtsverbinderin aufgstellt, net wahr?
Bauer: Lieber rural nationalkonservativ als a Traiskirchner Trotzki.
Marterbauer: Pfah! Is der von dir – oder von ChatGPT?
Stocker: Kinder! Net streiten! So kumma do net weiter.
Schellhorn: Eh net. Aber des Problem is: Wenn ma net streiten, komma a net weiter. Egal, was wir machen, es is immer falsch. In drei Jahr kömma froh sein, wenn sie no a Viererkoalition ausgeht gegen die Orks.
Bauer: Womit die Dinge no amoi a Stück einfacher werden würden. No mehr linke Traumtänzer an der Backe …
Marterbauer: Besser an Traumtänzer an der Backe als an Schuachplattler im Hirn.
Meinl-Reisinger: Aber schaut’s, des Ganze kann ja auch ein Segen sein! Weil, wenn’s eh scho wurscht is, dann kömma ja auch genauso gut wirklich was tun! Wirkliche Reformen machen, de endlich a wirklich a Geld bringen. Föderalismus, Pensionen … Heilige Kühe schlachten!
Stocker: Fang ma jetzt net nur die Budgetverhandlungen frisch an, sondern den Wahlkampf a glei dazu? Sicher net! Für solche unsittlichen Angebote is die ÖVP nicht zu haben.
Meinl-Reisinger: Andi, wie is mit dir?
Babler: Bei heiligen Kühen werd i leider a zum Tierrechtsaktivisten.
Stocker: Mir ham ja sunst nix mehr im Stall!
Schellhorn: I hab a Idee!
Stocker: Dafür wirst zahlt. Lass hören!
Schellhorn: I könnt wieder zum Kochen anfangen. Auf Social Media.
Marterbauer: Und dann wär was?
Schellhorn: Na ja. Dann gingert’s ma besser … Oh, wart, da is a neue Umfrage!
Babler: Und, wie schaut’s aus?
Schellhorn: Na ja … äh … Diese Schwankungsbreite is aber auch verdammt groß!