Ständig dieses Geraune um ein Comeback des Dreamteams KURZ & KERN!Zeit für ein klärendes, nie geführtes Doppel-Interview.

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profil: Meine Herren, gleich zu Beginn vielen Dank an Sie beide. Es ist ja nicht selbstverständlich, Sie gemeinsam an einem Tisch zu haben.

Kern: Ach, das ist doch keine große Sache! Ich sitze immer wieder mit vielen Leuten an einem Tisch.

Kurz: Ja, genau. Ich natürlich auch.

profil: Davon gehe ich aus. Aber …

Kurz: Und man kann sich halt nie alle aussuchen!

Kern: Da hat er ausnahmsweise recht. Das Leben ist nun einmal kein Wunschkonzert.

profil: Ja. Das mussten Sie ja spätestens 2017 einsehen, als Sie die Wahl gegen Herrn Kurz verloren haben – nach dem legendär ungiftigen Silberstein-Wahlkampf. Und sagen wir einmal so: Eine gewisse Verstimmtheit war Ihnen darob durchaus anzumerken. Und es hätte ja sein können, dass davon noch Restbestände vorhanden sind.

Kurz: Na ja, ich glaub, nach so langer Zeit wird der Kollege das schon verarbeitet haben.

Kern: Allerdings.

Kurz: Irgendwann muss man halt einfach einsehen, dass man ein Verlierer ist.

profil: Wie wahr! Aber man könnte unter Umständen auch zu dieser Einsicht gelangen, wenn man – nur zum Beispiel! – von weit oben plötzlich ziemlich weit unten gelandet ist und unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde. Und wenn man nach einigen Jahren, die man im Fanclub der Trump Techno Bros. verbracht hat, zart lancieren lässt, dass man eventuell gnädigerweise dazu bereit wäre, die Rolle des türkisen Messias wieder zu übernehmen, und dann mit einer Umfrage konfrontiert wird, derzufolge man bei einer Wahl auf dem für einen Messias doch einigermaßen vernichtenden dritten Platz landen würde.

Kern: Genau! Und zwar hinter mir! Wer ist da jetzt der peinliche Verlierer, ha?

Kurz: Es gibt überhaupt keinen Grund, da jetzt gleich untergriffig zu werden. Immer wird er gleich untergriffig! Und selber eine Prinzessin mit einem ganz dünnen Glaskinn sein! Das mögen die Österreicherinnen und Österreicher gar nicht, merken Sie sich das. Ich bin nicht zuletzt deshalb Bundeskanzler geworden, weil das nicht mein Stil war.

profil: Halten Sie jetzt eine Wahlrede?

Kurz: Schauen Sie: Dieser angebliche dritte Platz – auf den geb ich nun wirklich nichts. Mit Umfragen kann man alles beweisen.

Kern: Niemand, der das besser wüsste als Sie!

Kurz: Schauen Sie, mein lieber Freund: Ich hab zumindest Wahlen gewonnen in meinem politischen Leben – und zwar alle zwei, bei denen ich angetreten bin. Sie hingegen sind in die Geschichte eingegangen als der Bundeskanzler, den nie jemand gewählt hat, sondern der nur die SPÖ-interne Castingshow gewonnen hat – weil er am besten intrigieren konnte. Dafür durfte er dann Bundeskanzler spielen. Aber eh nur ein Jahr – weil dann bin ja ich gekommen!

Kern: Also dieser Schnee von vorvorgestern, mit dem Sie da daherkommen, der hat schon so einen derartigen Grauschleier, der passt eigentlich hervorragend zu Ihrer weißen Weste. Ton in Ton praktisch.

profil: Ihr zweiter Platz bei dieser Umfrage ist jetzt allerdings auch nicht wirklich ein hinreichender Grund dafür, den wirklich guten Schampus aus dem Keller zu holen. Sie liegen nur knapp vor Herrn Kurz. Aber dafür zehn Prozentpunkte hinter Kickl.

Kern: Ich lasse mir diesen Erfolg nicht kleinreden! Und Hauptsache, ich bin vor diesem … diesem Pimpf!

Kurz: Also, das ist ja …! Wenn ich ein Pimpf bin, werter Herr, ja? Dann sind Sie ein Anpumperer!

profil: Na bitte! Und schon fühle ich mich wieder wie im Wahlkampf 2017! Was mich jetzt zu der alles entscheidenden Frage bringt: Wollen Sie beide sich das wirklich antun? Nebst allen bereits angesprochenen Unbilden sind es ja bis zur nächsten Wahl noch fast vier Jahre. Vier Jahre, in denen es nichts zu verteilen gibt und in denen die Regierung nicht zwangsläufig mit einem verstärkten Herzzufliegeaufkommen konfrontiert sein wird.

Kurz: Ich habe ja auch bitteschön nie gesagt, dass ich in die Politik zurückkehren will.

Kern: Ich auch nicht! Ich habe das sogar immer entschieden dementiert! Ich bin sehr glücklich mit meinen jetzigen Aufgaben in der Privatwirtschaft.

Kurz: Sehen Sie? Er auch! Und ihm reicht sogar der Pimperljob, den er jetzt hat.

Kern: Es kann halt nicht jeder sein Geld mit Signa-Provisionen machen. Und mit anderen hochseriösen Deals.

profil: Ich stelle also fest: Trotz des Unterhaltungswertes, den eine synchrone Wiederbelebung Ihrer Politkarrieren zweifellos verspräche: Daraus wird wohl nichts werden, oder?

Kern: Ich habe darauf eine sehr klare Antwort.

profil: Nämlich?

Kern: Ich würde ihn schlagen! Ha!!

Kurz: Geh bitte! Das schau ich mir an!

Rainer   Nikowitz

Rainer Nikowitz