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Staatsräson unlimited: Der deutsche Kulturminister beschädigt Berlins Filmfestspiele

An der Gaza-Debatte gescheitert: Deutschlands Kulturpolitik arbeitet mit Hochdruck an der Vernichtung der Berlinale, ihres zentralen Filmfestivals.

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Am vergangenen Mittwoch machte eine irritierende Meldung, lanciert von der „Bild“, die Runde. Die Direktorin der Filmfestspiele in Berlin, die Amerikanerin Tricia Tuttle, die gerade erst ihre zweite Festivalausgabe absolviert hat, stehe vor der Entlassung. Am Donnerstagvormittag, so vermeldete man, werde der konservative Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, Intimus von Bundeskanzler Friedrich Merz, Tuttle ihres Amtes entheben. Die ihr zur Last gelegten Ereignisse: Sie sei auf einem Foto mit dem palästinaflaggenbewehrten Filmteam des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib zu sehen; und sie habe die scharfe Rede nicht unterbunden, die dieser ein paar Tage später, während der Preisverleihung im Berlinale-Palast, gehalten hatte, nachdem sein Film einen Nebenpreis als bestes Debüt gewonnen hatte. Der Filmemacher klagte die deutsche Bundesregierung an, Partnerin in einem Völkermord zu sein, und er drohte, dass „wir uns merken werden, wer an unserer Seite stand – und wer nicht“.

Festivaldirektorin Tuttle in Großaufnahme
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Die Frage, wie (und ob) Tuttle verhindern hätte sollen, dass ein Preisträger live seine Meinung sagt, wurde nicht näher erörtert. Am Donnerstag, zahllose Solidaritätserklärungen der Film- und Kulturbranche später, musste Weimer zurückziehen, die Entscheidung über Tuttles Verbleib vertagen. Mit seinem Verhalten, das er von der deutschen „Staatsräson“, der fraglosen Allianz mit Israel, gedeckt sieht, schadete er dem Festival massiv: Denn eine Politik, die nicht auf Meinungsfreiheit, sondern auf Entfernung einer missliebigen Führungskraft zielt, bekennt sich zu Autoritarismus und Kunstfeindlichkeit. Unter den Umständen, die Weimer der Berlinale in den vergangenen Tagen gemacht hat, werden das Interesse international qualifizierter Führungskräfte, das Festival künftig zu leiten, und der Wunsch bedeutender Filmschaffender, ihre Werke einzureichen, gegen null tendieren.

Offenlegung: Der Autor fungierte bei der Berlinale 2026 ehrenamtlich als Juror im Kurzfilmwettbewerb.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.