In Vorarlberg entstehen bis Herbst 2024 innerhalb eines Jahres 104 neue Kinderbetreuungsgruppen.
Morgenpost

Arbeitskampf vom Kindergarten bis zum Hochofen

In fast allen Wiener Kindergärten wird heute gestreikt, auch in der Metallindustrie gibt es Betriebsversammlungen. Ein heißer Herbst könnte bevorstehen und die Anzahl der bundesweiten Streiktage weiter in die Höhe treiben.

Drucken

Schriftgröße

Wiens Kinder müssen heute zu Hause bleiben. Zumindest ziemlich viele von ihnen. In den Kindergärten der Hauptstadt wird nämlich gestreikt. Zwar nicht in allen, aber doch in ziemlich vielen. Unter dem Motto „Es reicht!!! Wir brauchen mehr!!!“ haben die Betriebsrätinnen und Betriebsräte der privaten Trägervereine, dazu zählen unter anderem die Katholische Kirche, die Diakonie und die Kinderfreunde, zu öffentlichen Betriebsversammlung auf dem Wiener Votivpark geladen. Anschließend wird eine Demonstration durch die Innenstadt ziehen.

Auch zwei Drittel der städtischen Kindergärten, deren Beschäftigte von der Gewerkschaft younion vertreten werden, bleiben geschlossen. Ein Notbetrieb soll allerdings möglich sein.Wie dieser an den verschiedenen Standorten aussieht, ist allerdings von Fall zu Fall verschieden. „Wenn Eltern sagen, dass sie eine Lösung für die Betreuung brauchen, wird es diese geben“, hieß es seitens der zuständigen Magistratsabteilung schon Anfang Oktober.

Breites Bündnis, verschiedene Motivationen

Schließlich haben sich auch die Freizeitpädagoginnen und Freizeitpädagogen der Arbeitsniederlegung angeschlossen. Der Betriebsrat der Fachkräfte, die vorrangig in Ganztagsschulen zum Einsatz kommen und sich um die Betreuung abseits des Unterrichts kümmern, ruft ebenfalls zur Teilnahme an der Betriebsversammlung auf.

Anlass für die Proteste sind allerdings nicht konkrete Lohnforderungen. Die younion fordert allgemeinere Dinge wie die Aufwertung aller Berufsgruppen im elementarpädagogischen Bereich, Supervision in der Dienstzeit und die Einstellung von Reinigungspersonal zur Entlastung. Die Belegschaften in den privaten Kindergärten verlangt in einem Elternbrief nach einer Verbesserung des Betreuungsverhältnisses und einer Verkleinerung der Gruppengröße. Und den Freizeitpädagogen geht es außerdem, wie schon vor dem Sommer, um den Erhalt ihres Berufsstandes.

Anstieg der Streiktage

Der morgige Tag könnte damit als Einstimmung für die kommenden gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen dienen. Nach drei gescheiterten Verhandlungsrunden starten in der aktuellen Woche Betriebsversammlungen in der Metallindustrie. 80 davon sind angesetzt, schon gestern versammelten sich 300 Beschäftigte deshalb in der ÖGB-Zentrale in Wien. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 11,6 Prozent. Und auch in der Medienlandschaft stehen die Zeichen auf Arbeitskampf. Nach der Aufkündigung des Kollektivvertrags durch den Verband österreichischer Zeitungen (VÖZ) gab es bereits in einigen Medienhäusern Betriebsversammlungen. Weitere stehen im Raum, um den VÖZ von der Rücknahme der Kündigung zu bringen.

Durchaus möglich also, dass sich die Anzahl der Streiktage in Österreich weiter erhöht. 14.711 waren es bundesweit laut Zahlen des ÖGB im Vorjahr, es war der höchste Wert seit 2011. Wie hoch die Zahl für das aktuelle ist, konnte die Gewerkschaft auf Anfrage nicht sagen. Sie werden von den einzelnen Teilgewerkschaften protokolliert und erst am Jahresende aufaddiert. Dass der Rekord von 2003 fällt, ist allerdings nicht zu erwarten. Damals belief sich die Zahl der Streiktage auf über 1,3 Millionen. So viele waren es in der Nachkriegsgeschichte nie. Grund war damals die Auseinandersetzung zwischen der schwarz-orangen Bundesregierung und den Bundesbahnen. Im November des Jahres standen für 66 Stunden die Züge still. Die Kindergärten hingegen öffnen spätestens Mittwochfrüh wieder.

Einen Dienstag, der nicht verregnet ist, wünscht Ihnen
Moritz Ablinger

PS: Ab dem Wochenende wird übrigens die World Series in der US-Liga MLB ausgespielt. Es ist das Baseball-Äquivalent zum Superbowl. Dabei geht es, vor allem, um Strikes. Mit Streiks haben die allerdings nichts zu tun.

Moritz Ablinger

Moritz Ablinger

war bis April 2024 Redakteur im Österreich-Ressort. Schreibt gerne über Abgründe, spielt gerne Schach und schaut gerne Fußball. Davor beim ballesterer.