Jonah Hill (links), Kenneth Choi (mitte-links), Henry Zebrowski (grünes Hemd), Leonardo DiCaprio (vorne rechts), 2013

Ölfeld oder Windrad: Pflicht, Wahl oder Wahrheit

Die Klimakonferenz geht in ihre zweite Woche. Der Finanzsektor hat bisher seine Ziele gelockert, nicht höher gesteckt.

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Was haben (vor allem) junge Männer in weißen Hemden, die stundenlang vor riesigen Bildschirmen mit Zahlenkolonnen sitzen und danach, wie Leonardo DiCaprio bei „The Wolf of Wallstreet“, die Sau rauslassen, mit der Klimakrise zu tun? Auf den ersten Blick nicht allzu viel. Solange keine spontanen Flüge mit Privatjets dabei sind, scheinen die Co2-Emissionen bei Banken und Finanzinstituten nicht allzu hoch. Doch die Frage ist: Was finanzieren sie? Sind es Solaranlagen in der Sahara, Frackinggas im Senegal oder ein Ölfeld im Kongo?

Die Finanzinstitute sitzen auch bei der Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh mit am Tisch, es gab einen eigenen Finanztag dort. Bei der vorigen Klimakonferenz in Glasgow haben sich nämlich über 150 Banken, Versicherungen und Finanzinstitute zur gleichnamigen Glasgow Alliance for Net Zero (GFANZ) zusammengeschlossen, darunter die österreichische Erste Bank. Sie haben sich zum UN Race to Zero Ziel verpflichtet, das heißt: Null Treibhausgasemissionen bis allerspätestens 2050, bis 2030 die eigenen Emissionen halbieren. Doch die Gemengelage hat sich seitdem verändert.

Der gute Vorsatz hielt nicht allzu lange. Durch den Krieg in der Ukraine steigen die Rohstoffpreise und es lockten gute Geschäfte mit Kohle, Öl und Gas. Einige Schwergewichte, wie etwa die US-amerikanischen Banken JP Morgan Chase und Morgan Stanley, drohten sich vom selbstgesteckten Ziel wieder zu verabschieden. Die Allianz verließen tatsächlich ein australischer Pensionsfonds und die österreichische Bundespensionskasse, die Zusatzpensionen der Angestellten des Bundes veranlagt.

Trotz der beiden Abspringer ist die Allianz seit dem letzten COP stark gewachsen. Es sind nicht mehr 150 Unternehmen, sondern 500 Teil der GFANZ. Aber sie haben ihre Ziele gelockert, und zwar substanziell. In einem ihrer Statements heißt es, dass die Mitglieder zwar ermutigt werden bei Race to Zero dabei zu sein, aber sie müssen es nicht mehr. Es ist freiwillig.

Was von der Klimakonferenz in Ägypten noch zu erwarten ist – und welche Regionen besonders stark von Extremwetterereignissen betroffen sind, lesen Sie hier.

Schurkendiplomatie

Ganz freiwillig kann man auch Honorarkonsul der Republik Österreich werden. Gerade für Staaten mit knappen finanziellen Ressourcen ist das eine willkommene Möglichkeit, sich in einem Land zumindest ein bisschen diplomatisch repräsentieren zu lassen, ohne selbst eine kostspielige Botschaft betreiben zu müssen. In den meisten Fällen besteht die Arbeit aus Cocktails und Sinn für Repräsentation, erzählte ein Honorarkonsul gegenüber profil. Manche haben ihr Amt aber anders interpretiert, wie Stefan Melichar und Michael Nikbakhsh im Rahmen einer internationalen Kooperation herausgefunden haben.

Sie sind in Verbrechen aller Art verstrickt: In Terrorismusfinanzierung, Waffen- und Menschenhandel, Geldwäsche, Korruption. Die Recherche hat auch schon eine erste Konsequenz: Noch vor Erscheinen beendete das Wiener Außenministerium schlagartig die Zusammenarbeit mit der brasilianischen Geschäftsfrau Tania Kramm da Costa, die seit Oktober 2020 Österreichs Honorarkonsulin im brasilianischen Cuiabá gewesen war. Wieso, lesen Sie hier.

Clara Peterlik

Clara Peterlik

Clara Peterlik

ist seit Juni 2022 in der profil-Wirtschaftsredaktion. Davor war sie bei Bloomberg und Ö1.