Präsident Aleksandar Vucic überreicht Maximilian Krauss (FPÖ) und Polizeichef Michael Takacs jeweils einen Staatsorden
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Serbischer Präsident Vučić ehrt FPÖ-Klubobmann und Polizeidirektor

Anlässlich des serbischen Nationalfeiertags verlieh Präsident Aleksandar Vučić am Sonntag die höchsten Orden des Landes an ausgewählte Persönlichkeiten, darunter auch an zwei Österreicher.

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Zur besten Sendezeit live im Staatsfernsehen. In den vorderen Reihen sitzen Patriarchen neben Politikern, die Hände gefaltet, die Blicke auf die Ehrenorden gerichtet. Ein Chor erhebt die Stimmen, ein KI-generiertes Video flimmert über den riesigen Bildschirm – beides feiert die Liebe zum Land Serbien von der Gründung bis zur Gegenwart. Anlässlich von „Sretenje“, dem Tag der serbischen Staatsgründung am 15. Februar, hat Präsident Aleksandar Vučić wieder einmal die höchsten Orden seines Landes verteilt: den Orden der serbischen Flagge und den Orden des „Karađorđe“‑Sterns. Formal sollen sie Patriotismus, Lebensmut oder besondere Verdienste um Serbien würdigen. Tatsächlich liest sich die Liste der Preisträger zunehmend wie ein Sammelsurium politischer Symbolik.

In diesem Jahr fallen vor allem zwei Österreicher auf: FPÖ-Wien-Klubobmann Maximilian Krauss und Bundespolizeidirektor Michael Takacs, die beide den Orden der serbischen Flagge zweiten Grades erhalten haben. Sowohl Krauss als auch Takacs haben die Orden persönlich in Serbien entgegengenommen. Krauss soll „aktiv zu einem besseren Verständnis und zur Förderung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Serbien und Österreich beitragen“, heißt es in der Begründung.

Krauss selbst erklärt die Annahme des Ordens damit, dass die FPÖ Wien stets einen „respektvollen und konstruktiven Dialog“ mit der serbischen Community pflege. Außerdem bestehe „zwischen Österreichern und Serben, im Unterschied zu manch anderen Zuwanderungsgruppen aus islamischen Ländern, eine gewachsene gemeinsame Wertebasis und ein verbindliches christliches Fundament“. Am Sonntag überreichte Vučić ihm den Staatsorden im Palast der serbischen Republik in Belgrad, Krauss lächelte für die Kamera.

Ein Vorgehen, das dem Wiener FPÖ-Chef nicht fremd ist. Krauss suchte schon in der Vergangenheit immer wieder die Nähe zu ausländischen Communitys, auch zu muslimischen Wienerinnen und Wienern, wie seine Schmeichelei gegenüber der türkischstämmigen Bevölkerung im Zuge der Wien-Wahl im vergangenen Jahr zeigte, profil berichtete. Mit bezahlten Anzeigen auf Türkisch buhlte die FPÖ Wien damals um die Stimmen der Wiener Türkinnen und Türken – mittendrin Krauss, der für die Kamera lächelte. Auch Takacs war für die Verleihung nach Serbien gereist. Er erhielt seinen Orden mit der Begründung, er setze sich unter anderem für eine „Festigung der friedlichen Zusammenarbeit zwischen Serbien und Österreich“ ein. Takacs wollte auf profil-Nachfrage keine Stellungnahme abgeben.

FPÖ-Wahlwerbung auf Türkisch
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Vilimsky erhielt höchste Auszeichnung

Dass Krauss und Takacs unter den Geehrten sind, zeigt, dass Vučić seine Verbindungen nach Österreich weiterhin intensiviert, insbesondere zu FPÖ-Politikern. Bereits im Vorjahr wurde Harald Vilimsky, FPÖ-Delegationsleiter im EU-Parlament, mit der Auszeichnung geehrt. Vilimsky wurde gar der Orden ersten Grades von Vučić überreicht, was in Serbien eine regelrechte Welle der Kritik auslöste. Borko Stefanović von der linken Oppositionspartei SSP nannte die Ehrung „eine Schande für Serbien“, weil Vilimsky eine Partei vertrete, die sich gegen soziale Rechte der serbischen Diaspora in Österreich stelle. Vilimsky selbst präsentiert seine Verbindung zu Serbien, insbesondere zu Vučić, seit Jahren stolz auf seinen Social-Media-Kanälen. 2024 teilte er auf „X“ (ehemals Twitter) ein Bild von seinem Besuch in Serbien und einem „großartigen und herzlichen Gedankenaustausch“ mit Vučić, Dominik Nepp und Maximilian Krauss.

Weitere Österreicher unter den Preisträgern

Ganz anders reagiert Vilimsky, wenn andere Kollegen ähnliche Ehrungen erhalten, etwa der SPÖ-EU-Abgeordnete Andreas Schieder, der vor zwei Wochen einen Ehrendoktor an der Universität Vlora in Albanien verliehen bekam. Der SPÖ-Politiker erhielt die Ehrendoktorwürde für seinen Einsatz für den EU-Beitritt Albaniens. Vilimsky nutzte die Verleihung, um Schieder auf Facebook als „Niete“ zu bezeichnen und sprach in serbischen Medien davon, dass die Auszeichnung an „Bestechung grenzt“.

Was den serbischen Staatsorden angeht, reihen sich neben FPÖ-Politikern auch andere umstrittene Österreicher in die Liste der Geehrten. Einer von ihnen ist der österreichische Literaturnobelpreisträger Peter Handke, dessen pro-serbische Haltung zum Zerfall Jugoslawiens weltweit Aufmerksamkeit und Kritik erregte. 2021 wurde der Schriftsteller ebenfalls mit dem Orden des „Karađorđe“-Sterns erster Klasse ausgezeichnet – offiziell für „besondere Verdienste bei der Darstellung Serbiens im Bereich der öffentlichen und kulturellen Tätigkeiten sowie persönliche Standhaftigkeit in kompromissloser Verantwortung gegenüber der Wahrheit“. 2019 überreichte Vučić auch dem ehemaligen WKO-Präsidenten Christoph Leitl den Orden zweiten Ranges.

Dieses Jahr geht es im Reigen weiter. Die Liste der diesjährigen Preisträger liest sich wie ein absurdes Who-is-Who, die Vučić für seine eigene Symbolik nutzt: Hankó Balázs, ungarischer Kulturminister, erhielt die höchste Auszeichnung, den Orden ersten Grades. In Ungarn steht Balázs wegen seiner restriktiven Minderheitenpolitik heftig in der Kritik. Ausgezeichnet wurde auch ein chinesischer Unternehmer für Investitionen in die serbische Wirtschaft sowie der Vater einer Frau, die beim Einsturz des Vordachs am Bahnhof von Novi Sad im November 2024 getötet wurde.

Der Einsturz des Bahnhofsdachs am 1. November 2024, bei dem 16 Menschen starben, löste in Serbien eine Welle von Protesten aus. Viele machten Korruption, Nachlässigkeit und mangelhafte Bauaufsicht für das Unglück verantwortlich. Was als stille Mahnwache begann, weitete sich rasch zu anhaltenden Massenprotesten gegen das Regime von Vučić aus. Studierende besetzten Universitäten, führten landesweite Blockaden durch und forderten Transparenz, Rechenschaft und politische Konsequenzen. Hunderttausende gingen in Belgrad und anderen serbischen Städten auf die Straße, um Neuwahlen, Anti-Korruptionsmaßnahmen und ein Ende staatlicher Vetternwirtschaft zu fordern.

Daniela Breščaković

Daniela Breščaković

ist seit April 2024 Innenpolitik-Redakteurin bei profil. War davor bei der „Kleinen Zeitung“.